Dienstag, 26. Juni 2007

Stairway to Heaven No3


Klickbild: Typisch für diese Altersstufe: vor dem ersten Flug stehen unzählige Hochsprungübungen auf dem Programm der Jungstörche, teils geht es vier, fünf oder gar noch mehr Meter in Richtung Himmel. Bei dem heute zum Teil sehr böigen, teils sogar stürmischen Wind kein gefahrloses Unterfangen! Besonders das Landen muss sehr gut geübt werden, ein Fehltritt und Absturz vom Kirchendach hätte fatale Folgen!


Es genügt nicht, fliegen zu wollen, man muß auch die Landung mit einplanen
© Brigitte Fuchs, (*1951), Schweizer Autorin, Lyrikerin, Sprachspielerin; siehe auch www.brigittefuchs.ch

Gänsegeier über der Pfalz: Hungerflucht wegen geänderten EU-Vorschriften

Shortlink: http://tinyurl.com/2gb7x6

In der Überschrift des Nest-Telegramms haben wir's angedeutet: "Kurznachrichten rund um die NestKameras der Aktion PfalzStorch - und hin und wieder ein Blick über den Nestrand hinaus." Heute ist es mal wieder soweit: ein Blick über den thematischen Tellerrand ;-)

Jeder, der schon einmal im Südwesten Spaniens (z.B. Extremadura) unterwegs war, sieht die faszinierenden Thermik-Großsegler meist mehrmals täglich: Weißstörche, Gänsegeier und Mönchsgeier. Hin und wieder kreisen sie sogar gemeinsam im Aufwind. Durch drastisch geänderte EU-Hygienevorschriften geraten immer mehr Geier in Not und auf der Suche nach Nahrung kommen sie als Hungerflüchtlinge auch in unsere Breiten. Die Situation ist für die fliegenden "Gesundheitspolizisten" bei uns allerdings noch wesentlich schlechter als im Süden Europas, etliche Geier wurden schon vollkommen geschwächt aufgefunden.

Aktuell gibt es in Deutschland wie schon 2006 zahlreiche Sichtungen von Geiern (meist Gänsegeier). Schon im April waren einzelne Gänsegeier nahe Mainz in Rheinland-Pfalz, im Nordschwarzwald, in Bayern, Schleswig-Holstein und bei Celle in Niedersachsen aufgetaucht. Über 20 Tiere sind Anfang der Woche über Mönchengladbach geflogen, meldeten zwei Vogelkundler am 22. Juni dem "Club 300", einer Ornithologen-Plattform im Internet.

Aus der Pfalz liegen zur Zeit mind. zwei Meldungen vor:

22. Juni: A. Stock und K.H. Stahlheber berichten von 5 Gänsegeiern, die in der Südpfalz beobachtet wurden.
Quelle: http://www.nabu-pflanzen-tiere-rheinland-pfalz.de/

24. Juni: zwei uns persönlich bekannte Beobachter aus Mörzheim (bei Landau/Pfalz) sichten am Vormittag sieben in der Thermik kreisende (Gänse)Geier (mit Spektiv beobachtet).



Gänsegeier: faszinierende Großsegler mit bis zu 2.80 Meter Spannweite



Hintergrund und Ursachenanalyse

Quelle: Strategiepapier des NABU-Bundesverbandes
http://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/23.pdf
http://www.nabu.de/m05/m05_03/06733.html

Das wiederholte Auftreten von Geiern in Deutschland deutet auf eine "Hungerflucht" hin, da die europäischen Hygiene-Richtlinien in Spanien und Portugal zunehmend umgesetzt werden, wodurch Kadaver in immer geringerem Umfang in der Landschaft verbleiben.

Im Einzelnen sind die zunehmenden Einflüge der Geier vor dem Hintergrund folgender Rahmenbedingungen und Entwicklungen zu sehen:
Seit 2002 verlangt die EU-Hygieneverordnung Nr. 1774 die umgehende Beseitigung von Tierkadavern. In der EU ist die damit aufkommende Problematik für aasfressende Vogelarten schon bald erkannt worden. Mit Entscheidung vom 12. Mai 2003 hat sie daraufhin die Durchführungsverordnung 2003/322/EG erlassen. Diese ermöglicht betroffenen Mitgliedstaaten, zur Sicherstellung der Versorgung aasfressender Vogelarten Ausnahmen zuzulassen. Danach können auch "ganze Körper toter Tiere (...) zur Fütterung gefährdeter oder geschützter Arten Aas fressender Vögel" ausgebracht werden.
Die Gültigkeit dieser Durchführungsbestimmung beschränkt sich allerdings bisher auf die seinerzeit beantragenden Länder Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland. Diese machen hiervon auch Gebrauch. So hat Spanien erst kürzlich 260.000 Euro in ein Netz von 25 genehmigten Futterplätzen für die kontrollierte Ernährung von Geiern investiert.

Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die auf der Durchführungsverordnung beruhenden Maßnahmen den Verlust gegenüber früher in der Landschaft vorhandenen Kadavern bei weitem nicht ausgleichen können. So stehen in der Region Aragonien 1.000 geschlossenen "Muladares" nur 25 wieder aufgemachte gegenüber (HAAS, Vögel 01/07, S. 49).

Folgen der Nahrungsknappheit durch die EU-Hygieneverordnung Nr. 1774
Anhaltspunkte dafür, dass die EU-Hygieneverordnung Nr. 1774 zu Nahrungsengpässen in Geier-Brutgebieten führt, hat unter anderem der spanische BirdLife-Partner SEO festgestellt. Für Geier verfügbares Aas ist demnach großräumig seltener geworden.
Die zunehmende Nahrungsknappheit hat zu folgenden Konsequenzen geführt:

1. Wie erste Zahlen belegen, ist der Bruterfolg des Gänsegeiers in Spanien seit 2003 deutlich zurückgegangen. 2006 ist gebietsweise nur ein Viertel der üblichen Jungenzahl flügge geworden.
2. In den Brutgebieten werden zunehmend entkräftete Geier aufgefunden, die in Pflegestationen versorgt werden müssen. Die in Deutschland ankommenden Vögel leiden ebenfalls unter einem schlechten Ernährungszustand.
3. Es werden Verhaltensänderungen beobachtet wie das vermehrte Auftreten von Geiern an Mülldeponien, das Schädigen lebender Weidetiere, und nicht zuletzt die sehr weiträumigen Suchflüge nach Nahrung.


Fazit:
Die auf Druck südeuropäischer Vogelschützer bereits 2003 erlassene Ausnahmeverordnung reicht bei weitem nicht aus, um den Nahrungsmangel der europaweit geschützten Vögel auszugleichen. Der Hunger treibt die Geier auf Wanderschaft. Doch auch hier werden die Tiere nicht fündig. Aus Sicht des NABU kann den Tieren, die bis nach Süd- und Westdeutschland vordringen, dauerhaft nur durch die Entwicklung von großräumigen Weidelandschaften geholfen werden: Da immer wieder mit Geiereinflügen zu rechnen ist, sollte den Vögeln eine Überlebensperspektive ohne menschliche Zufütterung ermöglicht werden. Eine solche Perspektive böten große Weideprojekte, in denen ganzjährig auf sich gestellte Wildpferde- und Rinderherden die Landschaft durch ihre Weidetätigkeit pflegen und gestalten. Wenn in solchen Weideprojekten Tierkadaver anfallen, könnten diese ein Nahrungsreservoir für die Geier bilden. Natürlich verstorbene Wildtiere würden dann in der Landschaft verbleiben. So etwas ist heute schon in den Niederlanden gegeben, beispielsweise in der großen Weidelandschaft Oostvarderplassen. Eigens bewirtschaftete Geierfutterplätze würde der NABU nur als Übergangslösung befürworten, wenn Aussichten auf die oben genannte Weidebewirtschaftung mit einem natürlicherweise anfallenden Nahrungsangebot bestünden.

Nach Ansicht des NABU sind Bund und Länder gefordert, gezielt Planungen vorzubereiten und zu unterstützen, die der Realisierung solcher Wildnisprojekte dienen. Entwickeln ließen sich solche großräumigen Weidelandschaften zum Beispiel in Nationalparken, auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder in Gebieten des Nationalen Naturerbes - genügend Möglichkeiten also, solche ambitionierten Projekte umzusetzen und dem Geier als Zielart ausgedehnter Weidelandschaften auch hier in NRW wieder ein Überleben zu ermöglichen.

Gleichzeitig seien auf internationaler Ebenen Vertreter der Agrarpolitik, des Veterinärwesens und des Artenschutzes aufgefordert Lösungen für die Hungerflucht der Geier in ihrer Heimat zu finden. Die EU-Hygieneverordnung dürfe nicht, indem sie den Geierbeständen nachhaltig die Lebensgrundlage entzöge, die Ziele der EU-Vogelschutzrichtlinie gefährden, so der NABU in seinem Strategiepapier zum länderübergreifenden Schutz europäischer Geier.

Stairway to Heaven No2



Jeder hat seine eigene Treppe zum Himmel.
Pavel Kosorin, (*1964), tschechischer Schriftsteller und Aphoristiker

Montag, 25. Juni 2007

Kaltfrontdurchgang


Klickbild: Familie Storch gemeinsam in Wind und Regen

Gegen 14.00 Uhr zog in der Südpfalz die Kaltfront durch, die am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag auch im östlichen Deutschland teilweise für markante Wetterereignisse sorgen wird. Rückseitig fließt landesweit kühle Luft ein.

==> unsere Wetterseite





Klickbilder:
Abendstimmung über der Rheinebene (aktuelle Bilder, 21.24 Uhr)

Stairway to Heaven No1

65 Tage nach dem Schlüpfen: Jungstorch fliegt die erste Runde!

Heute war's so weit: ein Jungstorch im Nest auf der Storchenscheune hat seinen ersten Ausflug erfolgreich absolviert. Er war von 12.33 Uhr bis 12.53 Uhr unterwegs.


Klickbild: interessiert schauen die Geschwister dem Ausflügler hinterher. Im Bild vorher steht der dritte Jungstorch ganz dicht am Nestrand und seine zwei Geschwister dösen vor sich hin. Als er dann losgeflogen ist, war's mit ihrem Schlaf schlagartig vorbei.


Szenen ca. 15 Minuten vorher:

Samstag, 23. Juni 2007

Gefährliches Leben neben der Straße...

Heute nachmittag konnte man zwischen Zeiskam, Hochstadt und Bornheim zwei Störche auf der Nahrungssuche direkt neben der Straße beobachten, sie waren ca. 1 Kilometer voneinander entfernt.

Die folgenden Bilder verdeutlichen das große Gefahrenpotential, den die Futtersuche neben stark befahrenen Straßen für den Weißstorch bedeutet. Tödliche Kollisionen kommen leider immer wieder vor. Da die StraßenRandstreifen und Böschungen schon viel früher als die meisten Wiesen gemäht/gemulcht werden, bietet dieser Lebensraum zur Zeit wegen der besseren Bodensicht optimale Bedingungen.



1. Storch zwischen Zeiskam und Hochstadt


Hier jagt Adebar zwischen der Einfahrt zum Hortulanushof und der Straße von Zeiskam nach Hochstadt. Nach einer Weile fliegt er auf und wechselt im Tiefflug auf die andere Seite, um auf einem Ackerrandstreifen Nahrung zu suchen.








2. Storch neben der B272 in der Nähe von Bornheim





Stichwort "Mulchen" => interessanter Link

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