Mittwoch, 4. April 2007

Helfen ja, aber nur mit Sinn und Verstand!

Da mittlerweile etliche Kommentare mit der Hauptaussage "Bitte, bitte, helft doch" eingegangen sind, wollen wir hier noch mal klarstellen:

Ja, wir wollen helfen, aber nur mit Sinn und Verstand! Blinder Aktionismus ist hier vollkommen fehl am Platz. Denn: um einem Storch zu helfen, muß man seiner habhaft werden. Und um einen Wildstorch zu haben, muß man ihn zuvor fangen. Und um ihn zu fangen, muß man sicher sein, daß er nicht ganz wegfliegt und dann irgendwo still stirbt. Oder er stürzt irgendwo geschwächt ab oder prallt irgendwo dagegen, weil die Orientierung gestört ist und zieht sich schwere oder gar tödliche Verletzungen zu etc... Ratschläge und Bitten wie "HELFT DOCH BITTE BITTE" gehen total an der Realität vorbei und sind der aktuellen Situation nicht angemessen.

Wir beobachten in diesem Nest echte Wildstörche und keine Zootiere. Jeder der mit Weißstörchen PRAKTISCHE Erfahrung hat wird bestätigen, daß die sichere Ergreifung eines Wildstorches im aktuellen Zustand des erkrankten Weibchens ausgeschlossen ist. Eine sichere Ergreifung des Storches ist aktuell nicht machbar, die Risiken einer solchen Aktion wären unkalkulierbar. Es mag In Deutschland Nester geben, an denen sog. "Nestbetreuer" regelmäßig nachschauen, ob die Eier noch OK sind etc. etc. Diese Brutpaare haben durch den Gewöhnungseffekt oft eine sehr geringe Fluchtdistanz. Die Bornheimerin gehört aber aber DEFINITIV NICHT zu dieser Gruppe! Wer das verstanden hat, der wird auch unsere aktuellen Möglichkeiten zur Hilfe realistisch beurteilen können. Ja, wir wollen helfen, aber in der derzeitgen Situation können wir nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles noch schlimmer machen. Was wäre denn, wenn die Störchin tödlich abstürzt und es sich dann herausstellt, daß sie vielleicht doch selbst von der Infektion hätte genesen können? Der Sturm der Entrüstung wäre dann nur allzu verständlich. Das Beispiel in anderen Kameranestern in Deutschland hat gezeigt, daß man in solchen Situationen extrem wachsam sein muß, welche Dinge man tut und welche Dinge man lieber lassen sollte.

Uns ist als Webcambetreiber klar, daß sich der aktuelle Fall zwischen den zwei klassischen Meinungsfronten bewegt: die eine Zuschauergruppe fordert bei der Erkrankung eines Wildtieres die selben Maßnahmen wie bei einem Haus- oder Zootier, die Anderen lehnen jede Hilfe kategorisch ab. Wir bitten alle Zuschauer, jetzt nicht in wilden Aktionismus auszubrechen und uns mit Emailanfragen sowie Telefonanrufen zu bombardieren. Wir versprechen, daß wir uns so professionell wie irgendmöglich mit dem Krankheitsfall auseinandersetzen und die nötigen Entscheidungen auch mit Weißstorchexperten aus ganz Deutschland abstimmen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Helfen werdet Ihr mit Sinn und Verstand, das glaub ich wohl und hoffe auch für unsere Hübsche das sie es schafft!!
Im Moment sieht sie halt nur so schwach aus und doch steht sie immer wieder und brütet
Eure Verantwortung ist sehr groß und deshalb werdet Ihr schon richtig handeln
Wir sind halt nur so hilflos als Zuschauer und das ist vielleicht der Grund der Reaktionen
Haltet uns bitte weiterhin so auf dem laufenden und es wird schon irgendwie werden

Anonym hat gesagt…

Das sollte doch jedem klar sein: Es sollte weder blinden Aktionismus noch tatenlosen Zusehen geben und jeder sollte Ihnen vor Ort und den Experten die ohnehin kurzfristig schweren Entscheidungen überlassen. Man soll hoffen und wünschen, dass alles gut wird aber man kann nichts erzwingen und späteres Besserwissen oder schlimmer noch Vorwürfe in irgendeiner Richtung sind nicht angebracht, nur verantwortungsvolles Handeln. Wir wünschen viel Erfolg und wollen nun nicht mehr durch weitere "Kommentare" Ihre wertvolle Zeit nehmen. Mit frdl. Gruß Fam. Lennartz, Erkelenz NRW

Anonym hat gesagt…

Gasbrand hat es zu Kriegs- und Katastrophenzeiten auch schon gegeben. Damals standen die Chancen für eine Heilung sehr schlecht. Wie gut kann der Störchin wirklich geholfen werden?

Anonym hat gesagt…

"Helfen mit Sinn und Verstand" das sollte man wirklich "mindestens" voraussetzen können, wenn sich ein Tier in Not befindet. Dem stimme ich voll zu,

Jedoch finde ich solche Äußerungen sehr unangebracht:
"....oder weiß der Geier was man noch für Argumente finden mag, um Störche zu halbdomestizierten Wesen zu machen.

Hilfe in der Not kann nicht domestizieren.

M. Grund hat gesagt…

@ Eintrag vom 4. April 2007 18:11

Einverstanden, Formulierung wurde entschärft!

Gruß!