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Sonntag, 16. Oktober 2011

Pressemitteilung zum Stromtod


Die Aktion PfalzStorch hat eine Pressemitteilung zum Thema Stromtod von Störchen herausgegeben, die in den letzten Tagen von mehreren Zeitungen und Rundfunkstationen verbreitet wurde. Hier der Text:

Der Stromtod – immer noch eine der relevanten Todesursachen bei Weißstörchen
Der Erfolg in der Wiederansiedlung des Weißstorches macht es dringlich, sich künftig noch stärker mit der Sicherung der Strommasten gegen den Stromtod auseinanderzusetzen.

In 2011 wurden 13 stromtote Störche erfasst, davon 10 durch Elektrokution und 3 durch Leitungskollision. Hinzu kommt eine Dunkelziffer für die Störche, die nicht gefunden werden. Im Vergleich zu 2010 mit 19 gefundenen stromtoten Störchen ist dies ein Rückgang, vor allem wenn man noch berücksichtigt, dass die Population in 2011 nochmals deutlich gewachsen ist. Ein Erfolg der bisher getroffenen Schutzmaßnahmen ist, dass zumindest relativ gesehen bezogen auf die jeweilige Population der Anteil der stromtoten Störche nicht gestiegen ist.

Differenziert man nach dem Lebensalter der Weißstörche, so sind es vor allem die Jungstörche, die vom Stromtod betroffen sind. Grund ist wahrscheinlich ihre Unerfahrenheit, aber auch ihr hoher Anteil an der jeweiligen Gesamtpopulation. Deutlich wird dies auch bei der Verteilung der stromtoten Störche auf den jeweiligen Monat. Hier gibt es ein deutliches Maximum im Juli und August, das ist der Zeitraum des Ausfliegens der Jungstörche bis zum Wegzug in den Süden.

Von Kollisionen betroffen sind vor allem die Jungstörche, wenn sie ihr Nest verlassen und dann im Nestumfeld noch im Fliegen ungeübt gegen die Niederspannungsleitungen prallen. Die Langfristlösung ist hier die Verkabelung, die Kurzfristlösung die Umrüstung auf Luftkabel. Um dieses Problem zu lösen, erfasst die Aktion Pfalzstorch derzeit die gefährlichen Niederspannungsleitungen im Umfeld der Storchennester, um dann mit den Netzbetreibern eine Umrüstung auf Luftkabel zu vereinbaren.
Mehrjährige Weißstörche sind seltener Opfer von Unfällen an Leitungen und Masten. Allerdings ist der Verlust eines brutreifen Storchs zehn Mal gravierender für die Population, denn schließlich gehören sie zu den 10 Prozent der Störche, die die ersten 2-4 Jahre nach dem Flügge-Werden überlebt haben und in ihr Herkunftsgebiet zurückkehren, um für Nachwuchs zu sorgen.

Der Stromtod ist vor allem ein Problem bei den Mittelspannungsleitungen. Bis Ende 2012 sind die Stromversorger gesetzlich verpflichtet, Vogelschutzmaßnahmen durch Mastsicherungen flächendeckend umzusetzen. Wie diese Maßnahmen aussehen müssen, ist im VDE-Maßnahmenkatalog vom 1. August 2011 verbindlich geregelt.

In Zusammenarbeit mit den Pfalzwerken als pfälzischer Netzbetreiber konnten bisher viele Masten über Nachrüstungen gesichert werden. Aber die bisher getroffenen Maßnahmen reichen nicht aus bzw. stellen sich bei zunehmender Populationsgröße als nicht mehr geeignet heraus. Notwendig sind u.a. spezielle Sitzbalken mit isolierten Stützen - vielfach sind die Stützen bisher nicht isoliert - sowie Langstabisolatoren, die einen ausreichenden Abstand der Störche von Strom führenden Teilen gewährleisten. Beim Neubau oder grundlegenden Sanierungen von Mittelspannungsleitungen sollte aus Sicht der Aktion PfalzStorch künftig vor allem auf die Erdverkabelung gesetzt werden, da dies die Vogelschutzproblematik dauerhaft lösen würde.

Die Aktion Pfalz wird zur langfristigen Sicherung des Wiederansiedlungserfolgs neben der Lebensraumsicherung für den Weißstorch in den nächsten Jahren ihren Schwerpunkt auf die Sicherungsmaßnahmen gegen den Stromtod legen und sich dafür engagieren, in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern diese Problemstellung zügig im Sinne der Weißstörche, aber auch anderer betroffener Vogelarten in den Griff zu bekommen.


Montag, 20. Oktober 2008

Rückmeldung aus Saudi-Arabien

Per Email gab es heute eine sehr interessante Rückmeldung aus Saudi-Arabien. Geschrieben hat der Ornithologe, der die Opfer des Weißstorch-Massenunfalls (236 tote Weißstörche am 25. August 90 km südlich von Jeddah) mit eigenen Augen gesehen hat und die Situation vor Ort genau kennt. Da diese Hochspannungstrasse ganz offensichtlich eine systematische Todesgefahr auch für viele andere Zugvogelarten darstellt, wird die Problematik in Kürze bei der saudischen "National Commission for Wildlife Conservation and Development" (NCWCD, auf der Webseite unten auf "English" klicken) besprochen. Geplant ist später eventuell ein vertiefendes Treffen, zum dem u.U. auch externe Experten eingeladen werden. Wie auch immer es jetzt weitergeht: wir werden in jedem Fall versuchen, unsere Erfahrungen im Kontext Kollisionstod-Vermeidung einzubringen (Umrüstung der 110 kV-Trasse in den Offenbacher Niederwiesen).

Es wäre grandios, wenn hier eine effektive internationale Zusammenarbeit zum Schutz unzähliger Zugvögel entstehen würde. Nach Angaben des saudischen Ornithologen liegt hier auch eine klassische Zugstrecke des Jungfernkranichs auf dem Weg ins Winterquartier nach Ostafrika (gilt wohl vor allem für die Population rund ums Schwarze Meer und dem Kaukasus, die weiter östlich brütenden Populationen überwintern in Indien).  Ein Auszug aus einer anderen Email lässt erahnen, wie hoch die jährlichen Opferzahlen durch Kollision mit den Hochspannungstrassen sind: "For your information, on the 9th of October at 05:30 I was visiting "again" a site, with Mohammed also, 90 km south of Jeddah were 236 White Stork collisions to pour line on August 25th., we found lots of dead birds this time as well (Quail, Corncrake, and Turtle Dove) and small numbers from various species of warblers and shrikes, also killed by the power lines. We are conducting such survey form personal initiative to write to the wildlife agency to collaborate with electric company to solve this problem in such "bottleneck" area for migratory birds." 

Übrigens zieht hier auch eine winzige Restpopulation einer der weltweit seltensten Vogelarten auf dem Weg ins Winterquartier durch: der Waldrapp (weltweit leben nur noch ca. 400 Tiere in freier Wildbahn!!) . Besenderungsversuche haben ergeben, dass der erst vor wenigen Jahren entdeckte kleine syrische Restbestand über Saudi-Arabien und den Jemen ins äthiopische Winterquartier zieht.

Quelle: http://www.birdlife.org/news/news/2006/10/bald_ibis.html

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Hochspannungtrasse im Satellitenbild

Irgendwo an dieser gewaltigen Hochspannungstrasse muss das Unglück passiert sein. Östlich der Straße sind zwei Trassen und westlich davon drei Trassen zu erkennen. Stimmt gut mit dem Bild auf der saudi-arabischen Webseite überein.




Größere Kartenansicht

Die Trasse endet/entspringt in einer riesigen Industrieanlage (sieht aus wie eine Öl-Raffinierie oder eine Meerwasserentsalzungsanlage). Daszu passt auch folgende ==> Meldung.

Wir haben heute mit saudi-arabischen Ornithologen Kontakt aufgenommen, um unsere Erfahrungen auszutauschen (Kollisionsproblematik Offenbacher Niederwiesen, 110.000 Volt-Trasse incl. Entschärfung des Problems).

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Neue Infos zu großem Weißstorchunglück in Saudi-Arabien

Der letzte Beitrag hat zur Stellungsnahme einiger namhafter Strom - und Kollisionstod-Experten geführt.  

Fazit: mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei diesem äußerst tragischen Weißstorch-Massenunfall NICHT um Stromtod, sondern um Kollisionstod! Ich hatte im letzten Blogbeitrag ja schon meine Zweifel an einem Stromtod geäußert (eindeutig handelt es sich hier um eine Hochspannungstrasse, bei der es aufgrund typischer Bauteilgröße bzw. dem Bauelementeabstand normalerweise zu keinen hohen Opferzahlen kommt...)

Wir werden versuchen, mit den lokalen Umweltschutzakteuren Kontakt aufzunehmen und unsere bislang sehr positven Erfahrungen mit der bundesweit einmaligen Umrüstung der 110.000 V Trasse in den Offenbacher Niederwiesen mitzuteilen!

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Dr. Haas (Leiter der NABU-BAG Stromtod und einer der Hauptautoren des neuen Referenzwerkes zum Thema Strom- und Kollisionstod von Vögeln) schreibt dazu in einer Mail (wir haben den Text leicht angepasst, um die richtigen Bildbezüge etc. in diesem Posting  herzustellen):

"Zur (...) Deutung (dieses Bildes) in der vorherigen Nachricht:

Es ist eine typische „Regenrinnenverletzung“ (kommt von Fahrzeugkollisionen: der auffliegende Vogel schaffts nicht ganz, dem Vogel werden bei nach oben geschlagenen Flügeln die Läufe, manchmal auch weiter oben die Unterschenkel abgeschlagen). Dem abgebildeten Storch wurde beim etwas schrägen Landeanflug mit hängenden Beinen der linke Lauf in der Mitte durchgeschlagen, der äußere Teil hängt nur noch an einem Strang aus Sehnen und Gefäßen. Der rechte Lauf ist durch den Aufprall an der Vorderseite blutunterlaufen, aber nicht gebrochen (der Vogel war nach der Kollision nicht sofort tot, konnte den Absturz noch mit den Flügeln etwas abmildern). Es sind keine Verbrennungen. Ich bin mir in der Deutung sicher, häufig bekomme ich ähnlich verletzte Vögel zur Behandlung eingeliefert, nach Verkehrsunfällen und Leitungskollisionen.

   

Aus den gesamten Bildern aus Saudi-Arabien lese ich zunächst heraus:

Ø Die Störche sind Kollisionsopfer (keine Stromschlagfälle)

Ø Stärkere Winde haben keine Rolle gespielt (keine Spuren, wie sie schon bei leichten Sand- oder Staubstürmen in Wüstenregionen typisch sind), was freilich Sichtbehinderungen bei „staubgeschwängerter“ Luft nach Stürmen nicht ausschließt.

Ø Ich vermute einen Einflug eines großen Zugtrupps, der in die Nacht geraten ist und einen Übernachtungsplatz an einem Gewässer (bei Jeddah wohl am ehesten am Meeresstrand) angepeilt hat und dabei in den sehr ungünstig mit Leitungen bestückten Luftraum (breitflächig verteilte Leitungen in Mehrebenenanordnung) geraten ist. Bei dieser Konstellation sind aber auch andere Szenarien denkbar (z.B. Anpeilung von Landeplätzen auf den Quertraversen der Masten und Kollision beim frühen Landeanflug).  

Zur weiteren Klärung wären zusätzliche Details sehr wünschenswert.

Ich bitte daher den Verteiler um Mitarbeit. Wer kann für den Verteiler die arabischen Texte übersetzen ? Sehr interessant wären weitere Daten zu Fundort, Fundzeit, Wetterdaten, evtl Beobachtungen (über)lebender Störche, genaue topografische Karte mit Einzeichnung der Unfall-Hochspannungsleitungen etc. In diesen Mastenfeldern wären auch Untersuchungen auf Kollisionsopfer allgemein für Schutzbemühungen wichtig, z.B. im Hinblick auf den Durchzug von Großgreifvögeln, vor allem auch an windreichen Zugtagen. 

Weiteres zur Anflugproblematik und Lösungsvorschlägen s. unter www.birdsandpowerlines.org in Deutsch und Englisch. Auch im neuen Buch STROMTOD VON VÖGELN behandeln viele Artikel auch Kollisionsprobleme, hauptsächlich auf S. 278 – 299. Das Buch kann weiterhin über mich bezogen werden (am einfachsten E-Mail an dghaas@web.de ). Weitere Infos zum Buch unter www.birdsandpowerlines.org .  

 
Mit besten Grüßen
Dr. Dieter Haas

Leiter der NABU-BAG Stromtod

Ende des Zitats

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Massenkollision an Stromleitung in Saudi-Arabien (über 200 tote Weißstörche)

Auf einer arabischen Seite kann man diese grauenhaften Bilder eines Weißstorch-Massenunfalls sehen (bitte beachten: da die Seite arabisch ist, befindet sich die Scroll-Leiste auf der linken Seite!):

http://www.mekshat.com/vb/showthread.php?t=151775

Nach Aussagen von saudi-arabischen Ornithologen kamen am 25. August 2008 ca. 90 km südlich von Jeddah unglaubliche 236 Weißstörche an einer riesigen Stromtrasse ums Leben. Dort laufen 5 Trassen parallel zueinander, die Stromleitungen queren eine international bedeutsame Vogelzugroute. Einzelheiten zum möglichen Ablauf des Geschehens liegen uns noch nicht vor. 


Mittwoch, 15. August 2007

Schlafplätze






Auch wenn wir noch lange nicht an ein Ende des Sommers denken wollen: Die Störche sind bereits auf dem Zug. Aus der Umgebung werden immer wieder Beobachtungen von Storchentrupps mit 30-40 Tieren gemeldet, die größte Gruppe mit 63 Störchen war bei der Führung in die Wässerwiesen anlässlich des Storchenfestes in Bornheim zu sehen. Die Jungvögel entfernen sich dabei oft über 30 km von ihrem Geburtsnest, fliegen abends manchmal wieder nach Hause oder suchen sich einen Schlafplatz in der Nähe der Nahrungsgebiete, wo sie zusammen mit durchziehenden Störchen die Nacht verbringen. An diesen Plätzen können bei Einbruch der Dunkelheit manchmal ihre Ringe abgelesen werden, was uns via Vogelwarte eine Information über die Herkunft der Vögel ermöglicht.

==> vgl. http://www.pfalzstorch.de/daten/__fangrath_hilsendegen.pdf


Leider bergen die Schlafplätze immer noch Gefahren für die Störche. Gebäudeteile und Lampen sind i.d.R. unproblematisch.
Der Mast auf dem 2. Bild wurde gesichert, leider mit einer runden Sitzstange, die von Störchen nicht gern angenommen wird. In diesem Fall hier hat es funktioniert, es wurden aber an diesem Mast schon mehrfach Störche unterhalb der Sitzstange beobachtet, wo sie hochgradig gefährdet sind.
Das Sitzbrett (3. Foto) ist da schon besser. An diesem Mast waren schon mehrere Störche in den vergangenen Jahren umgekommen. Seit die Pfalzwerke das Sitzbrett montiert haben, ist hier nichts mehr passiert. Wenn sich aber mehrere Störche um diesen Platz streiten, kann es trotzdem passieren, dass einer unterhalb des Sitzbrettes einen Platz sucht. Bis jetzt sind dabei glücklicherweise nur Beinahe-Unfälle beobachtet worden.
Siehe auch ==> http://www.elsic.de/download/Pbl_Vogellandeplatz.pdf

Dagegen hat der Storch auf dem letzten Foto einen recht sicheren Platz gewählt. Bei der 110 KV-Leitung sind die Isolatoren so lang, dass ein an- oder abfliegender Storch keinen Kurzschluss verursachen kann. Übrigens kann man auf dem Foto am rechten Rand noch zwei der Sichtmarkierungen erkennen, die im Frühjahr von den Pfalzwerken angebracht worden sind. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist bis jetzt kein Storch durch Leitungskollision in diesem Bereich ums Leben gekommen.
Je mehr Gefahrenpunkte entschärft werden, sowohl hier als auch in den Rast- und Überwinterungsgebieten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jungvogel nach 2-3 Jahren heil wieder zurückkommt und sich zum Brüten niederlässt.

Freitag, 2. März 2007

Zeitungsartikel zur 110 kV-Trasse "Offenbacher Niederwiesen"

Gestern erschien in unserer größten regionalen Zeitung, der Rheinpfalz, noch mal ein umfangreicher Artikel über die Umbaumaßnahme an der 110 kV-Trasse in den Offenbacher Niederwiesen. Wir haben die Sache mit dem Copyright abgeklärt (herzlichen Dank an die Rheinpfalz und an den Fotografen!) und stellen den Artikel hier online:


Draufklicken zum Vergrößern




Artikel in Textform:

Storchenexperte: Hier werden Maßstäbe gesetzt
OFFENBACH: Dr. Michael Fangrath lobt Pfalzwerke AG für Markierungsinitiative an der Starkstromleitung

„Ob‘s reicht?“ Mit dieser bangen Frage war ein RHEINPFALZ-Einwurf (Ausgabe vom 9. Febuar) überschrieben, als die Pfalzwerke AG für die Stromleitung in den Niederwiesen“ 950 Markierungen zur Warnung von nahenden Störchen ankündigte. Dr. Michael Fangrath, auf Naturschutzseite (Aktion Pfalzstorch und Naturschutzbund) der hauptverantwortliche Biologe, ist überzeugt: „Ja mir reicht‘s!“



Bei der Kollisions- und Stromschlagproblematik handele es sich um zwei grundsätzlich unterschiedliche Themenbereiche. In Sachen Stromschlag an Mittelspannungsmasten gibt es laut Fangrath einen rechtlich verpflichtenden Paragraphen im Bundesnaturschutzgesetz, außerdem einen Katalog von Maßnahmen, der die baulichen Sicherungen bis 2012 regelt. Im Hinblick auf diese Sicherungsmaßnahmen gebe es zwischen Naturschutz und der Pfalzwerke AG durchaus Differenzen.

„Ohne Namen zu nennen, sind mir aber mehrere Energieversorger bekannt, die sehr deutlich die Nichteinhaltung des Bundesnaturschutzgesetzes und des Maßnahmenkatalogs bekannt gegeben haben. Die Pfalzwerke AG gehört nicht dazu!“, unterstreicht der Ornithologe in einer Stellungnahme. Die Pfalzwerke AG habe in dieser Hinsicht beim Umsetzen deutschlandweit den weitesten Fortschritt gemacht. Als Weißstorchexperte, der seine Doktorarbeit über diese Vogelart geschrieben hat, könne er dies mit Fug und Recht behaupten. Mit Blick auf die verbliebenen Differenzen habe sich die Pfalzwerke AG gesprächsbereit gezeigt, ein Umstand, der durchaus keine Selbstverständlichkeit sei, zumal die ökonomische Tragweite der Sicherungsmaßnahmen an den Mittelspannungsmasten in Rheinland-Pfalz um Größenordnungen höher sei als die von den Markierungsarbeiten in Offenbach.

Die Kollisionsproblematik in den Offenbacher Wiesen sei völlig anders gelagert. Hierbei handele es sich um die Kür (Verantwortungsbewusstsein), nicht um das Pflichtprogramm (Bundesnaturschutzgesetz). Es gebe keine rechtliche Verpflichtung für das Unternehmen, überhaupt eine Maßnahme durchzuführen. Der moralischen Verantwortung sei es absolut gerecht geworden. Eigenen Angaben zufolge hat Fangrath in den Jahren 1999 bis 2001, 2005 und 2006 Untersuchungen durchgeführt, die Ursachen der Gefährdung genauer klären, unter anderem mit Videoaufnahmen. Die optimale Lösung für die Kollisionsproblematik wäre eine Vererdung. Diese sei für eine 110.000-Volt-Starkstromleitung auf einer Länge von 1,5 Kilometern aber noch nie veranlasst worden. Sie würde über eine Million Euro kosten und möglicherweise technisch unmöglich sein, erklärt der Experte und verweist auf Aspekte wie Kühlung der Leitung, Schutz der Röhren in den gewässerten Wiesen. Eine Alternative wäre die unerprobte und noch nie gemachte Markierung der Seile selbst. Doch diese hält Fangrath als wohl technisch und finanziell nicht realsierbar. Also biete sich die Lösung durch Markierungen an. Normalerweise würden die Elemente nur an der obersten Ebene (ein Seil) oder an Außenseilen (zwei Seile) befestigt. Aufgrund des besonderen Umstandes der hohen Weißstorchanzahl und der Störungen durch Menschen und Hunde würden in Offenbach alle Seile gesichert. „Ich kenne kein einziges Beispiel in Deutschland oder in Europa, wo eine Hochspannungsleitung so massiv gesichert worden ist. Für die Aktion Pfalzstorch ist dies ein Prestigeprojekt!
Jeder Verband erblasst vor Neid ob dieser Erfolge“, bilanziert Fangrath und lobt das Verantwortungsbewusstsein und die Kooperationsbereitschaft der Pfalzwerke AG. Hier würden Maßstäbe gesetzt, Maßstäbe, an denen konkurrierende Energieversorger kläglich scheiterten. Eine Relativierung dieser Leistung und Aufrechnung mit strittigen Punkten sei deshalb völlig unangemessen. „Ich bin kein Blumenkind, sondern pedantischer Wissenschaftler, der viele der Opfer selbst begraben oder ihnen den Gnadentod geben musste. Für mich wird aber, ungeachtet sachlicher Differenzen zu Sicherungsmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz, dies ein absolutes Highlight meines beruflichen Schaffens sein und bleiben.“ Die baulichen Maßnahmen seien seinen Vorschlägen entsprungen. Ob die Markierungen bei den Sterbequoten zum Rückgang von 80 Prozent führen, dem sehe niemand mit größerer Spannung entgegen als er. (mik)

Dienstag, 27. Februar 2007

Markierungsarbeiten 110 kV

Mittlerweile ist der erste Trassenabschnitt auf ca. 750 Meter bis auf den obersten Null-Leiter komplett markiert, es wurden ca. 450 Elemente eingebaut. Hier zwei Aufnahmen vom Sonntag:






Detailbild (zum Vergrößern draufklicken)
Die Länge der Markierungselemente beträgt ca. 50 cm. Auf dem Foto sind die beweglichen, schwarz-weiß gefärbten Polyethylen-Laschen gut zu erkennen. Jedes Markierungselement wird mit zwei Metallspiralen auf dem Leiterseil befestigt.


Gestern wurde mit der Markierung des zweiten Abschnittes begonnen, erst zum Schluß kommt dann der Null-Leiter dran (läuft ganz oben in der Spitze, das sog. Blitzschutzseil)

Freitag, 16. Februar 2007

Markierungsarbeiten gehen weiter...

Die Markierungsarbeiten an der 110 kV gehen offenbar recht problemlos weiter, im Bereich der Teichanlage müssen allerdings Bäume und Büsche gekürzt werden, da sonst die "Montagegondel" nicht vorbei kommt. Geplant ist, daß am Montag, den 26.02.2007, der gesamte Bereich zwischen Wald und Teich markiert ist (incl. oberstem Null-Leiter). Das sind ca. 700 Meter. Danach folgt der restliche Abschnitt in Richtung Südwesten, ca. 650 Meter.


Später werden wir eventuell Videos der Montagearbeiten online stellen, kann aber noch etliche Wochen dauern!

Nester:
Momentan sind in Bornheim zwei Störche unterwegs, die oben rechts einen Metallring tragen. Ein "re-o-Storch" im Nest B2 muß also nicht das bekannte Weibchen FRS 2823 aus B1 sein, es kann auch FRS 3037 sein.

Sonntag, 11. Februar 2007

Publikation zum Thema "Kollisionsschutz an Freileitungen:

"Hochspannungsfreileitungen und Vogelschutz: Minimierung des Kollisionsrisikos - Bewertung und Maßnahmen zur Markierung kollisionsgefährlicher Leitungsbereiche

Von Frank Bernshausen, Josef Kreuziger, Dirk Uther und Michael Wahl
Erschienen in: "Naturschutz und Landschaftsplaung 39, (1) 2007

Die diesem Artikel zugrundeliegende Untersuchung bezieht sich allerdings auf Markierungsverfahren, bei dem es ausschließlich zur Anbringung von Signalkörper am sog. Null-Leiter ("Erdseil") kam. Dies ist mit unserem Projekt an der 110 kV-Trasse "Offenbacher Niederwiesen" nicht vergleichbar, da dort auch alle Hochspannung führenden Leiterbahnen markiert werden.



Nestkameras 2007

Kameranest "Zeiskamer Mühle": wegen umfangreichen Umbaumaßnahmen an der Zeiskamer Mühle (die alte Scheune mußte abgerissen werden und wird durch einen Neubau ersetzt), wird es 2007 von dort leider keine Bildübertragung geben können! Gestern wurde in ca. 100 Meter Entfernung zum alten Brutplatz ein neuer Masthorst in den benachbarten Wiesen errichtet. Der Abstand ist deshalb so groß gewählt, da in Kürze ein Kran an der Mühle aufgestellt wird, der während der gesamten Brutsaions im Einsatz ist. Ein ungestörter Brutbetrieb wäre im direkten Bereich der Zeiskamer Mühle deshalb vollkommen ausgeschlossen. Es ist zu hoffen, daß der Masthorst als Ausweichquartier angenommen wird! Ansonsten gibt es in der Gegend noch einige leer stehende Nester, daran soll ein glückliches Familienleben der Zeiskamer Störche nicht scheitern. Vorrangig ist jedoch die gesunde Wiederkehr aus dem Winterquartier, aber das ist leider ja überhaupt keine Selbstverständlichkeit!

Der neue Gebäudeteil der Mühle wird natürlich wieder ein Nest bekommen.

Der parallele Blick auf Nest und Nahrungsrevier per Kamera haben dabei geholfen, den Blick für ökologische Zusammenhänge zu schärfen. Denn es ist unbestritten ein Nachteil der Kameras, daß man das Storchenleben sehr leicht zu "nestlastig" erlebt. Der wesentliche Beitrag zum Weißstorchschutz ist nicht das Aufstellen von Nisthilfen, sondern der Erhalt ihrer letzten Lebensräume.

Kameranest "Bornheim 2": hier wird es ab diesem Jahr keine Übertragung mehr geben (außer in Nest Bornheim 1 bleibt das Brutpaar aus oder es kommt dort zum Totalverlust von Gelege bzw. Brut). Wir verfolgen nicht das Ziel, möglichst viele Nester online zu stellen!

Am Nest "B2" wird sich außer dem Wegfall der Internetübertragung gar nichts ändern.

"Bornheim 1" und "Evangelische Kirche Bornheim" werden 2007 also die einzigen ins Internet übertragenden Kameras der Aktion PfalzStorch sein.



Aktuell anwesende Störche:
nach unseren Beobachtungen ist (wie zu erwarten und zu hoffen) noch keiner der letztjährigen Brutstörche zurückgekehrt. Im Queichtal halten sich weiterhin drei sog. Winterstörche auf, die uns alle bekannt sind. Es handelt sich um den männlichen Brutstorch vom Nest in den Hochstadter Wiesen und das "Romeo und Julia" genannte Paar, das im vergangenen Jahr einen erfolglosen Brutversuch auf einem Trafohäuschen unternommen hat.

Frage: im Nest von "Bornheim 1" sind seit Samstag so komische Stöcke zu sehen, was hat es damit auf sich?

Antwort:
in Absprache mit der oberen Naturschutzbehörde (SGD Süd) führen wir in Abwesenheit der Brutstörche eine "Nestpflege" durch. Die kleinen Äste sollen als Drainage dafür sorgen, daß bei Starkregen sich keine Pfütze im Nest bildet und Küken durch Unterkühlung sterben bzw. ertrinken. Die Störche werden ihr Nest auf diese Astschicht draufbauen. Als Material werden dazu z.B. gelockerte Grassoden, altes Heu und kleine Zweige dienen, je nach Vorliebe des Storches und dem Vorkommen der Rohstoffe...

Donnerstag, 8. Februar 2007

Beginn der großen Umbaumaßnahme der 110.000 kV-Trasse



Wie im Nest-Telegramm 2006 schon mehrfach angekündigt, kommt es nun tatsächlich zu der bundesweit bislang einmaligen Markierungsaktion der 110 kV-Trasse in den Offenbacher NIederwiesen. Die Summe aller dokumentierten Todesopfer (mind. 12 Fälle durch Folgen einer Leitungskollision) in diesem Bereich entspricht ca. 20% des aktuellen Weißstorch-Brutvogelbestandes von Rheinland-Pfalz!

Offizieller Pressetermin zur Umbauaktion:

13.02.2007, 10.00 Uhr - Treffpunkt: vor der Datscha (südlich der Niederwiesen, neben der Neumühle an der Queich)



Kurzinfo: "Markierungsprojekt 110 kV - Offenbacher Niederwiesen"



- Markierter Trassenbereich: ca. 1.4 km
- Stahlseillänge ca. 9.5 km (6 Stromleiterbahnen und Null-Leiter)
- Anbringen der Markierungskörper im Abstand von 10 Meter. Pro Leiterbahnebene werden die Elemente jeweils um 5 Meter zueinander versetzt, daraus resultiert ein dichteres Markierungsbild
- Die Markierungskörper der Firma Ribe sind ca. 50 cm lang und haben bewegliche, schwarzweiß gefärbte Laschen. Dieser Typ wurde in einem Gemeinschaftsprojekt der RWE mit der staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland entwickelt. Es werden ca. 950 dieser Elemente montiert!

Siehe auch:
"Hochspannungsfreileitungen und Vogelschutz: Minimierung des Kollisionsrisikos - Bewertung und Maßnahmen zur Markierung kollisionsgefährlicher Leitungsbereiche
Von Frank Bernshausen, Josef Kreuziger, Dirk Uther und Michael Wahl
Erschienen in: "Naturschutz und Landschaftsplaung 39, (1) 2007

- Die Montage erfolgt mit einem kleinen Leiterseilwagen, er ist mit maximal zwei Monteuren besetzt und rollt direkt am Stahlseil hängend.