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Donnerstag, 5. Mai 2011

Trocken und feucht




Fotoimpressionen vom Ostersonntag aus den Offenbacher Niederwiesen von Norbert Gladrow.

Die Bornheimer Jungstörche haben zur Zeit ideale Bedingungen zum Gedeihen: Die Nester bleiben trocken und dennoch finden die Storcheneltern genügend Futter aller Größenklassen in den nahen Queichwiesen, denn die werden zur Zeit abschnittsweise entsprechend dem Bewässerungskalender bewässert. Ohne diese Maßnahme der Landwirtschaft könnten die Störche in den trockenen Böden wohl kaum genug Futter für eine größere Jungenzahl finden.

Darüber hinaus wurden in den letzten Tagen bereits Teilbereiche gemäht.

Am kommenden Samstag findet ab 18 Uhr eine Führung in die bewässerten Wiesen (mit Storchenbeobachtung) statt. Näheres und Anmeldung unter "Aktuelles".

Sonntag, 24. April 2011

Nahrung zur rechten Zeit


Die Bewässerungssaison hat begonnen, die ersten Wässertage in den Offenbacher Niederwiesen sind bereits vorbei. Sie kamen gerade rechtzeitig, um die Ernährung der ersten frisch geschlüpften Jungstörche zu sichern. Bei der anhaltenden Trockenheit hätten die Altvögel sonst große Schwierigkeiten gehabt, ausreichend geeignete "Babynahrung" (Insektenlarven und Regenwürmer) zu finden. Jetzt sind sie aus dem weiteren Umkreis eingeflogen, um das Angebot zu nutzen.
In den kommenden Tagen und Wochen werden in weiteren Queichgemeinden jeweils für 1-2 Tage Wiesen bewässert, so dass die Bornheimer Störche ihre Jungen satt bekommen werden.
Am Dienstag oder Mittwoch ist mit den ersten Küken auf dem Dach der Storchenscheune und der Evangelischen Kirche zu rechnen (hoffentlich funktioniert bis dahin die Kameraübertragung wieder!).

Wer eine Wiesenbewässerung mit Storchenbeobachtung miterleben möchte, hat am Samstag, 7. Mai die Gelegenheit, an einer Führung teilzunehmen. Näheres auf der Homepage unter "Aktuelles".

Samstag, 31. Juli 2010

Es geht hoch her auf den Niederwiesen...

Auf den Offenbacher Niederwiesen konnte man heute über 220 Weißstörche beobachten (Sommerwässerung)...

Mittwoch, 20. Januar 2010

Neues Modell zur Wiesenbewässerung

Ein weiterer Schritt im Ausbau der Dauerausstellung im Storchenzentrum ist geschafft! Ab Sonntag, dem 24.1., kann im Storchenzentrum das neue Funktionsmodell zur Wiesenbewässerung im zukünftigen Wiesenraum von Jung und Alt ausprobiert werden.

Die Besucher können selbst Wehre schließen und Wasser über die Offenbacher Niederwiesen leiten, die sehr realistisch dargestellt sind. So wird durch eigenes Tun eine mehr als 500 Jahre alte Kulturtechnik begreifbar.

Die Wiesenbewässerung wird von alters her zur Ertragssteigerung für die Heuernte eingesetzt. Der Storch profitierte früher und heute gleichermaßen von der Durchfeuchtung des Bodens, aus dem allerlei Getier an die Oberfläche kriecht, das er dann nur noch aufzusammeln braucht. Im Sommer finden sich an Wässertagen oft weit über 100 Störche zum „großen Fressen“ ein.

Sowohl das neue Modell als auch die Storchenausstellung sowie die Fotoausstellung Naturfotografie sind immer sonntags von 14-17 Uhr sowie werktags nach Vereinbarung unter 06348 610757 zu besichtigen.

Montag, 21. Juli 2008

Vollversammlung?


Über 70 Störche haben sich gestern in den Queichwiesen bei Ottersheim versammelt, wo noch Restwasser von der letzten Bewässerung in den Flächen steht. Das üppige Nahrungsangebot lockt vor allem flügge Jungstörche aus der näheren und weiteren Umgebung - auch ein Elsässer war dabei - an. Hier können sie Kräfte sammeln, bevor sie demnächst Richtung Süden abheben.
Letzte Woche sollen sogar knapp 100 Störche beobachtet worden sein. Eine so große Anzahl hatten wir um diese Zeit noch nie, eher Anfang August. Das lässt natürlich hoffen, dass wir beim Symposium zur Wiesenbewässerung (1./2. August) und beim Storchenfest (3. August) außergewöhnlich viele Störche beobachten können.

Sonntag, 22. Juni 2008

Fünfer-Brut bald flügge


Offenbach/Queich, Brühlgraben, 22. Juni 2008
Die 5 Jungen in Offenbach/Queich, ca. 5 km von Bornheim entfernt, werden bald das Nest verlassen. Ihre Eltern brüten schon das dritte Jahr hier, obwohl der Storchenvater, der aus dem badischen Linkenheim stammt, erst 4 Jahre alt ist. Vor 2 Jahren hatte das Paar spontan eine abgesägte Pappel besetzt. Der Grundstücksbesitzer ließ rasch eine Nistunterlage dort anbringen und die Störche fingen bald darauf an zu brüten. In den Jahren 2006 und 2007 wurden jeweils 2 Junge flügge. 5 Junge sind selten, vor allem bei nicht zugefütterten Störchen wie diesen hier. Die Eltern sind in Bezug auf die Nahrungsbeschaffung offensichtlich besonders fit und die Umgebung bietet genug Nahrung. Offenbach hat ausgedehnte und voll funktionsfähige Wässerwiesen und es gibt hier einzelne Landwirte, die ihre Wiesen früher mähen als anderswo.

Samstag, 5. April 2008

Besichtigung der Bewässerungsanlagen: neuer Termin

Wer vor einiger Zeit an der Begehung der restaurierten Bewässerungsanlagen an der Queich teilnehmen wollte, aber aus gutem Grund wegen der Sturmwarnungen zu Hause geblieben war, hat noch eine zweite Chance: Die Begehung fand nämlich gar nicht statt, sie musste aus Sicherheitsgründen (umstürzende Bäume im Uferbereich) abgesagt werden.
Jetzt wurde ein neuer Termin festgesetzt:

Samstag, 5. April - 9.00 Uhr - Ort: Neumühle/Offenbach, an der Queichbrücke der K40 zwischen Hochstadt und Offenbach ==> Details in GoogleMaps

Zitat aus der ersten Einladung:
Vor 11 Jahren hatte die Interessengemeinschaft Queichwiesen zu einer ersten gemeinsamen Erkundung der Bewässerungsanlagen entlang der Queich eingeladen und stieß damit auf sehr große Resonanz (ca. 40-50 Leute).
Damit war die Situation und die Gefährdung eines der letzten Wiesenbewässerungssysteme in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden und löste vielfältige Aktivitäten aus.
Zum Vergleich mit der damaligen Situation will die Interessengemeinschaft Queichwiesen, anstelle ihrer jährlichen Sitzung, erneut zu einer Begehung einladen, bei der gezeigt wird, was in den letzten Jahren verwirklicht worden ist und was noch zu tun bleibt. Die Veranstaltung beginnt an der Neumühle/Offenbach und endet am Knittelsheimer Stauwehr (ca. 2,5 km).

Donnerstag, 21. Februar 2008

Einladung der Interessengemeinschaft Queichwiesen

Termin: Samstag, 1. März, 9.00 Uhr
Treffpunkt: Neumühle/Offenbach, an der Queichbrücke der K40 zwischen Hochstadt und Offenbach ==> Details in GoogleMaps

Vor 11 Jahren hatte die Interessengemeinschaft Queichwiesen zu einer ersten gemeinsamen Erkundung der Bewässerungsanlagen entlang der Queich eingeladen und stieß damit auf sehr große Resonanz (ca. 40-50 Leute). Hier zwei Fotos von jenem bitterkalten Tag im Januar 1997 bei - 12°C:


Klickbild: zu sehen sind u.a. Herr Gadinger (Bildmitte, mit gehobener Hand), rechts neben ihm Gerhard Postel (mit Schnurrbart, Mitbegründer der Aktion PfalzStorch und wichtiger Initiator der IG Queichwiesen), im Hintergrund rechts neben dem Baumstamm Peter Keller (späterer Projektmanager des großen Natura2000-Projektes an der Queich)

Klickbild: auf der Brücke am Oberhochstadter Wehr: Walter Feld (mit gefleckter Jacke) und Jürgen Borlinghaus


Damit war die Situation und die Gefährdung eines der letzten Wiesenbewässerungssysteme in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden und löste vielfältige Aktivitäten aus.

Zum Vergleich mit der damaligen Situation will die Interessengemeinschaft Queichwiesen, anstelle ihrer jährlichen Sitzung, erneut zu einer Begehung einladen, bei der gezeigt wird, was in den letzten Jahren verwirklicht worden ist und was noch zu tun bleibt. Die Veranstaltung beginnt an der Neumühle/Offenbach und endet am Knittelsheimer Stauwehr (ca. 2,5 km).

Interessierte Mitbürger sind herzlich willkommen!

Dienstag, 27. November 2007

Vorabinfo: Wässerwiesen-Symposium 2008

Shortlink: http://tinyurl.com/yuyd5j

Die Aktion PfalzStorch hat mit der Organisation eines Fachsymposiums zum faszinierend vielschichtigen Thema "Wässerwiesen" begonnen. Es findet am 1. und 2. August 2008 in Bornheim statt.

Der Schwerpunkt des Symposiums liegt auf der Bedeutung der Wässerwiesen aus Sicht von Naturschutz, Landwirtschaft und Landespflege.
Ein weiteres Ziel ist der Aufbau des "Infonetzwerk Wässerwiesen", damit man künftig symbiontisch von Erfahrungen anderer Projekte profitieren kann (auch aus anderen Ländern). Wir haben schon Kontakt zu etlichen Akteuren im europäischen Ausland, die sich z.T. schon seit vielen Jahren mit diesem spannenden Kulturlandschaftsthema beschäftigen.

Neue Infos werden hier in diesem Beitrag aktualisiert, sobald wir genauere Infos zu den Referenten etc. haben!

- Termin
1. + 2. August 2008 (Freitag Nachmittag sowie Samstag)

Am darauf folgenden Sonntag (3. August 2008) findet das alljährlich Bornheimer Storchenfest statt. Hier kann man's gemütlich ausklingen lassen (z.B. mit Pfälzer Wein)

- Ort
Bornheim/SüdPfalz mit Außentermin u.a. im Raum Ottersheim. Ganz in der Nähe, entlang der Queich, liegen die derzeit größten aktiv bewirtschafteten Wässerwiesenareale Deutschlands. Sie dienen als lebendige Kulisse und praktisches Anschauungsobjekt für das Symposium.

- Teilnahme: wird mit Sicherheit nur über Anmeldung und Tagungsgebühr möglich sein (Kosten stehen noch nicht fest).

Sind Sie an einer Teilnahme interessiert und wollen unverbindlich genauere Infos erhalten? Ca. bis Frühjahr 2008 sollten wir die wichtigsten organisatorischen Fragen abgeklärt haben. Danach können wir Ihnen genaueres über den Programmablauf sagen. Schicken Sie uns einfach eine Mail, siehe ==> Kontaktseite
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Wässerwiesen waren in Deutschland und vielen anderen Regionen Europas über viele Jahrhunderte eine sehr weit verbreitete Form der Grünlandbewirtschaftung. Sie sind leider bis auf winzige Reste aus unserem Landschaftsbild verschwunden.


Bild: Gewässerplan des Speyerbach von 1759, Wässerwiesen zwischen Neustadt und Speyerdorf

Mittlerweile (und gerade noch rechtzeitig) hat man jedoch die besondere ökologische Bedeutung für Flora und Fauna entdeckt. Diese wechselfeuchten Wiesen und ihre Durchmischung mit Be- und Entwässerungsgräben hatten sehr artenreiche Lebensräume zur Folge. Die komplette Abkopplung der Wässerwiesen und ihrer Gräben von den sie speisenden Gewässern hatte weit reichende Folgen für diese Ökosysteme.

Bild: Fuchsbach und "Schwarzes Wehr" => mehr

In der Südpfalz, entlang der Queich, gibt es mittlerweile wieder die größten bewirtschafteten Wässerwiesen Deutschlands. Ihr üppiges Nahrungsangebot ist wohl auch der Grund dafür, dass die rheinland-pfälzischen Weißstörche hier besonders gern und erfolgreich brüten. Die Wässerwiesen sind auch für viele andere seltene Tier- und Pflanzenarten bedeutsam:


Wachtelkönig, Heidelerche und Blaukehlchen, Kammmolch, Schlammpeitzger, Schwarzblauer Bläuling, Großer Feuerfalter, Helm-Azurjungfer und viele andere. Aus botanischer Sicht hat das Gebiet u.a. eine herausragende Bedeutung für das nationale Naturerbe durch das flächenmäßig größte Vorkommen des Gottes-Gnadenkrautes (Gratiola officinalis) in Rheinland-Pfalz, einer bundesweit vom Aussterben bedrohten Art. Siehe auch www.natura2000-dvl.de



Bild: Weißstörche in den bewässerten Queichwiesen, Symbol einer lebendigen Kulturlandschaft

Sonntag, 1. Juli 2007

Kleiner Besuch in der Südwestpfalz

Während sich in den vergangenen Jahren in der Süd- und Vorderpfalz etliche Weißstorchpaare angesiedelt haben, so sieht es in der West-, Südwest- und Nordpfalz noch sehr lückenhaft aus. Ein besonders erfreuliches Ereignis war daher die spontane Ansiedelung eines Wildpaares im Hornbachtal (Landkreis Südwestpfalz, ca. 50 km Luftlinie westlich von Bornheim), mitten auf einer fast 9 Hektar großen Naturschutzfläche des NABU Zweibrücken ("Mauschbacher Bruch"):


Klickbilder: auf dem Weg zum Neststandort trifft man auch auf Pferdekoppeln und Milchviehwirtschaft. Leider gibt es auch in dieser Gegend immer weniger Milchbauern! Für den Weißstorch bedeuten (Silage)Mahd und Beweidung wichtige Elemente zur Offenhaltung der potentiellen Nahrungsreviere.

Neststandort:




2006 gab es die Erstbrut mit zwei Jungstörchen, dieses Jahr sind drei Jungstörche im Nest. Die Talwiesen zwischen Hornbach und dem großen Biolandbetrieb "Hofgut Kirschbacher Hof" waren früher wohl alle als Wässerwiesen bewirtschaftet, Teile der Infrastruktur (Be- und Entwässerungsgräben) sind mit etwas Übung im Satellitenbild zu erkennen:

Klickbild: ehemalige Grabenstrukturen zur Wiesenbe- und Entwässerung im Satellitenbild.

Die ehemaligen Wässerwiesen im Bereich der NABU-Fläche sind durch Nutzungsaufgabe mittlerweile in wesentlichen Teilen in eine Hochstaudenflur übergegangen. Zur Offenhaltung der Landschaft wurde daher kürzlich damit begonnen, die Fläche mit schottischen Hochlandrindern zu beweiden.


Hofgut KirschbacherHof
Der "KirschbacherHof" (Gesamtfläche von ca. 414 Hektar) ist Teil des Wiederansiedlungsprojektes der Aktion PfalzStorch, siehe "Störche" auf der Webseite des Betriebes. Das beeindruckend Hofgut hat eine lange Geschichte, u.a. befand sich hier in der Zeit von 1784 bis 1786 eine herrschaftliche Porzellanfabrik. Es befindet sich seit 1993 im Besitz der Familie Götz und wird nach den Richtlinien des biologisch-organischen Landbaus bewirtschaftet und ist Mitglied im Bioland-Verband.
Der Kirschbacherhof ist nur 3 km Luftlinie vom neuen Neststandort entfernt und wir hoffen, dass sich auch hier bald wieder ein Wildstorchpaar niederläßt, so wie 2002 bis 2005! Wir danken an dieser Stelle Herrn Götz ganz herzlich für seinen jahrelangen Einsatz für den Weißstorch in dieser Region!
Auch durch die Limousin-Herdbuchzucht (die ca. 80 Tiere umfaßt) trägt der Kirschbacherhof in einem erheblichen Maß zur Bewirtschaftung des Grünlandes im Hornbachtal bei. Gemähte oder gemulchte Wiesen bzw. Mähweiden bedeuten für den Weißstorch: besserer Jagderfolg.

Kulturtip: das ehemalige Kloster Hornbach

Klickbild: ein Teil des ehemaligen Klosters Hornbach, heute ist hier z.T. ein Hotel integriert. Das Kloster Hornbach ist Teil der Pfälzer Jakobswege nach Santiago de Compostela.


Vom großen Dom zu Speyer (UNESCO Weltkulturerbe) (22 km Luftlinie von Bornheim) führt eine vom Pfälzerwald-Verein markierter Jakobsweg über Neustadt/Weinstraße in den Pfälzerwald. Von dort führt er nach Johanniskreuz, dann über die Sickinger Höhe zum Grab des Hl. Pirminius im ehemaligen Kloster Hornbach an der französischen Grenze. Mittlerweile ist auch eine südliche Route durch den Pfälzerwald nachgewiesen und eine Anbindung an französische Pilgerwege erfolgt. In Sichtweite des Speyerer Domes steht eine ==> große Jakobspilger-Statue (Bild)

Mittwoch, 25. April 2007

Frühjahrsbewässerung an der Queich (Teil 2)

"Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe.
Es hat ein schwarzweiß Röcklein an und trägt rote Strümpfe."


Ein altes Kinderlied. Störche, Wiesen und Wasser gehören irgendwie zusammen. Sümpfe gibt's an der Queich zwar nicht, "normale" Wiesen sind Wässerwiesen aber auch keine. Es sind wechselfeuchte Wiesen: mehrmals im Jahr bekommen sie während der Wässertage "nasse Füße", es gibt kurzzeitig eine leichte Überflutung, danach läßt man sie wieder abtrocknen.

Der mosaikartig bewässerte Bereich der Queichwiesen erstreckt sich über fast 9 Kilometer von West nach Ost. Der Reiz des Gebietes erschließt sich vor allem dem aufmerksamen und rücksichtsvollen Spaziergänger, der vom Weg aus das Leben auf den Wiesen und am Wegesrand beobachtet, ohne zu stören. Wer hier schnell mit dem Auto vorbeischauen will, um "mal Störche zu sehen", der wird wohl enttäuscht werden. Vielleicht ganz gut so, denn um Natur besser zu verstehen muß man sie mit Umsicht und Bedacht erleben. Die letzten, kostbaren Naturbereiche in unserer dicht besiedelten Landschaft verdienen es nicht, dass wir sie in Fastfood-Mentalität konsumieren...


Hier ein paar Bildimpressionen aus dem östlichen Abschnitt (Aufnahmen vom 24. April).


Bild oben: Bewässerungsgraben und zwei Wiesenschließen. Die Fläche rechts vom Graben wird gerade gewässert und prompt haben sich 8 Störche zur Nahrungssuche eingefunden! Gewässerte und (noch) nicht gewässerte Flächen kann man oft ganz leicht aus der Ferne auseinanderhalten: (noch) nicht gewässerte Flächen werden von den Störchen nahezu parzellenscharf "ignoriert", da das Angebot verfügbarer Nahrung dort wesentlich geringer ist. Die Aufnahmeentfernung beträgt ca. 200 Meter. Unvorsichtige Beobachter würden jetzt vielleicht versuchen, noch näher an die Störche heranzukommen und sie damit verscheuchen... :-(

UNSERE GROßE BITTE:

Beobachten ja, aber immer nur aus sicherer Entfernung, bitte niemals eine Störung der Störche riskieren!
==> INFO Das erfordert generelle Zurückhaltung und Respekt vor den Wildtieren!



Bild oben: drei Wiesenwehre kennzeichnen den Verlauf dieses Bewässerungsgrabens, die Störche sind ca. 200 Meter entfernt. Wenn man kein Fernglas mitnimmt, wird man oft nur wenig sehen können... Ganz falsch ist allerdings auch die Erwartungshaltung, immer und überall Störche sehen zu können!




Bild oben: dieser Masthorst ist bisher noch nicht belegt. Hier hat sich aber gerade ein interessierter Gast eingefunden, kurze Zeit später wollte ein zweiter Storch dazu, wurde aber abgewehrt. Unsere durch viele Ringablesungen dokumentierten Beobachtungen zeigen, dass sich neue Brutvögel oft schon im Vorjahr als Nahrungsgäste in den Wässerwiesen einfinden, bevor sie sich später in der Region niederlassen. Die Reaktivierung der Wiesenwässerung ist die herausragende und nachhaltig ökologischste Methode um neue Brutpaare zum Aufbau bzw. Stabilisierung der Pfälzer Weißstorchpopulation zu rekrutieren!


Oben: das Bild ist zwar unscharf, hat aber trotzdem einen gewissen Reiz ;-) Hier landet gerade ein Storch bei einer Futter suchenden Gruppe. Immer wieder faszinierend, daß die Störche schon bald nach Beginn einer Wässerung gezielt diese Wiesenabschnitte anfliegen! Neue Störche schweben ein, solche die genug Futter gesammelt haben fliegen wieder ab, dazwischen ihre eifrig pickenden Artgenossen. Übrigens werden die Wiesen nicht nach einem starren System z.B. von West nach Ost bewässert. Es kommt vor, daß eine Bewässerung um 18 Uhr "abgestellt" wird, aber gleichzeitig 8 km weiter westlich eine neue Bewässerung für 24 oder 48 Stunden startet. Die Störche müssen also erst jede aktuell bewässerte Fläche "entdecken", ein Lerneffekt ist wegen dem mosaikartigen Bewässerungsmuster wohl auszuschließen.

Hier nochmal unsere Tips bzw. unsere Bitten zur richtigen (störungsfreien!!) Weißstorchbeobachtung ==> INFO





Abschließend Bilder einer Exkursion des NABU Bellheim vom 24. April:

Bild oben: keine Wässerwiese ohne Be- und Entwässerungsgräben. Sie tragen erheblich zur ökologischen Vielfalt des Gebietes bei. Beispiel: alleine nur im Bereich der Bellheimer Sand- und Holzwiesen ist das aktive Grabensystem fast 8 Kilometer lang! Je nach Nutzungsintensität und Wasserführung sind naturnahe Gräben ein Lebensraum für viele seltene Arten. So wurde im Bereich der Queich-Wässerwiesen z.B. der stark gefährdete Schlammpeitzger nachgewiesen.



Bild oben: direkt neben dem Weg... ;-)


Bild oben: Bewässerungsgraben im Wald (Schließe defekt)


Bild oben: am Spiegelbach (Seitenarm der Queich)

Montag, 23. April 2007

Frühjahrsbewässerung an der Queich (Teil 1)

Mehrere Storchennester haben bereits Nachwuchs, was bisher um diese Zeit eher die Ausnahme war. Die Elterntiere profitieren von der seit 20. April einsetzenden Bewässerung (im Bild die Offenbacher Niederwiesen gestern nachmittag), die jede Menge Babynahrung (Regenwürmer und Insektenlarven) freisetzt und den Jungen einen guten Start ins Leben ermöglicht. In den folgenden Wochen, bis etwa Mitte Mai, werden sukzessive weitere Flächen im Queichtal bewässert.
Gestern waren 17 Störche hier versammelt. Wenn man davon ausgeht, dass von den 12 derzeit im Queichtal brütenden Paaren jeweils ein Elternteil auf Nahrungssuche war, müssen mindestens 5 weitere Störche aus der weiteren Umgebung oder herumstreunende Nichtbrüter dabeigewesen sein.
Ob die vorgezogenen Bruttermine und die bereits sommerlichen Temperaturen sich positiv auf den Bruterfolg auswirken, hängt noch von weiteren Faktoren ab: Die Höhe der Vegetation (ca. 2 Wochen früher als sonst), mögliche Kälteeinbrüche, Zeitpunkt der Wiesenmahd, Entwicklung der Insekten usw. Die veränderten Klimabedingungen in diesem Jahr werden wohl auch das Jahr des Storches beeinflussen - positiv oder negativ.

Die folgenden Bilder wurden uns freundlicherweise von Herrn Volkmar Schmidt (Karlsruhe) zur Verfügung gestellt, sie entstanden auch gestern im Bereich der Offenbacher Niederwiesen:


Klickbilder

Sonntag, 22. April 2007

Wiesenbewässerung hat begonnen

Mittlerweile hat an der Queich die Frühjahrs-Wiesenwässerung begonnen (aktuell Offenbacher Niederwiesen), sodaß für die Storchenküken reichlich Nahrung in Form von Regenwürmern, Wiesenschnakenlarven etc. vorhanden sein dürfte. Daß die Pfälzer Störche und viele andere Tier- und Pflanzenarten von der Wiesenwässerung profitieren, ist ein perfektes "Nebenprodukt" dieser uralten Bewirtschaftungsmethode. Die Termine für die Bewässerung wurden ganz nach den Bedürfnissen der Landwirte festgelegt und beruhen auf Vereinbarungen zwischen den Gemeinden und der zuständigen Wasserbehörde.

Hier ein Zitat aus
"Bewässerungsmanagement für den Weißstorch (Ciconia ciconia L.) in der Queichniederung bei Landau in der Pfalz" (Autoren: Michael FANGRATH & Pirmin HILSENDEGEN (2005)
(pdf-Dokument, Dateigröße: 5 MB)

Die erste urkundliche Erwähnung einer Wiesenbewässerung im Queichtal stammt aus dem Jahr 1428, als der ”Pfalzgraf bei Rhein des heiligen römischen Reiches Erztruchsess und Herzog zu Bayern” Ludwig der Gemeinde Zeiskam das sogenannte Gnadenwasser verlieh (FIEDLER 1965, PRESSLER 2004). Damit ist die Wiesenbewässerung in der Pfalz älter als die des Siegerlandes, das lange Zeit als Ausgangspunkt der Wiesenbewässerung galt und deren erste urkundliche Erwähnung dort erst im Jahr 1534 erfolgte (STARCK 1999). Die wichtigsten erhaltenen Dokumente sind die Bewässerungspläne, die genau festlegen, wer, wann, wie lange und wie viel Wasser aus der Queich beziehen darf. Ein solcher Bewässerungsplan wurde zuletzt 1950 neu erstellt und 1972 bestätigt (Staatliches Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft Neustadt a. d. Weinstr. 1998).


Noch eine Anmerkung zu den Wiesenschnaken: bitte nicht mit Stechmücken verwechseln! Wiesenschnaken saugen kein Blut und ihre Larven sind ebenso "harmlose Vegetarier".

Und immer mal wieder wird gefragt, ob die Wiesenbewässerung die massenhafte Entwicklung von Stechmücken begünstigt. Die Antwort ist eindeutig: da die Wiesenbewässerung nur ca. 48 Stunden andauert, reicht das nicht aus, dass die Mücken ihre Larvenentwicklung auf einer bewässerten Fläche erfolgreich abzuschließen können.

Dienstag, 17. April 2007

Links zum Thema Wässerwiesen



Wässerwiesen weltweit

http://www.vsch-khe.de/
Eine einzigartige Webseite! Leider ist ihr Erbauer, Herr Volkmar Schmidt, viel zu früh gestorben. Er hatte noch viele Pläne, die er leider nicht mehr verwirklichen konnte. Wir hatten noch die Ehre, ihn persönlich kennenzulernen, er hat auch eine detaillierte Materialsammlung zur Wiesenbewässerung an der Queich online gestellt. Seine Familie ermöglicht es, dass die Webseite weiterläuft. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich!


England

http://www.salisburywatermeadows.org.uk
Vor den Toren der südenglischen Stadt Salisbury liegen die "Harnham Water Meadows" als eine "Insel" zwischen den Flüssen Avon und Nadder. Sehenswerte Webseite von einer Aktionsgruppe rund um diese Wässerwiesen.
Google Maps:
=> Hauptgebiet
=> Zahlreiche Spuren ehemaliger Wässerwiesen-Infrastruktur finden sich auch im näheren Umfeld

http://www.farm-direct.co.uk/farming/history/watermeadow/
Eine Seite über die kulturgeschichtlichen Hintergründe der englischen Wässerwiesen, u.a. mit einer Art "Wörterbuch" der wichtigsten Begriffe dieser Bewirtschaftungsform.

http://www.plymouth.ac.uk/pages/dynamic.asp?page=staffdetails&id=rcutting

Profil von Dr. Roger Cutting, Universität Plymouth. Sein Interesse gilt in besonderer Weise den Wässerwiesen in Großbritannien. Zahlreiche Publikationen zu diesem Thema .



Deutschland

Baden-Würtemberg
http://www.feuchtwiesen-stoerche-bodensee.net/salem.html
Kontakt: BUND Salem, Frau Gabriela Lindner, 88682 Salem-Beuren
Infos zu Projekt in Markdorf: Herr Franz Beer

Radolfzeller Aach: http://www.globalnature.org/docs/02_vorlage.asp?id=20288

Montag, 9. April 2007

Wehre an der Queich

Stand 9. April 2007, Beitrag wird noch ergänzt
Das Copyright sämtlicher Aufnahmen liegt bei der Aktion PfalzStorch, bitte ohne Absprache keine Bilder für die Verwendung in Print- oder Onlinemedien etc. entnehmen! Dies gilt ausnahmslos auch für alle anderen Aufnahmen in diesem Blog!

Mit den im folgenden Beitrag vorgestellen Wehren haben die Bauern zum großen Teil schon seit vielen Jahrhunderten die Queichwiesen bewässert. Zwar gab es die Wiesenbewässerung auch an allen anderen Bächen der Pfalz, doch nirgendwo sonst sind sowohl die Bauten als auch ihre Nutzung in die Neuzeit "hinübergerettet" worden. Dass das Interesse für dieses pfälzische Kleinod gerade noch rechtzeitig geweckt wurde, ist auch ein ganz wesentliches Verdienst der Wiederansiedelung des Weißstorchs durch die Aktion PfalzStorch!

Diese Wehre sind beeindruckende Zeugen unserer pfälzischen Kulturlandschaft!

Durch das Natura2000-Projekt "Bellheimer Wald und Queichwiesen" (das Gebiet umfaßt ca. 5000 Hektar) wurden mittlerweile fast alle für die Bewässerung notwendigen Wehre restauriert und der alten Funktion zugeführt. Davon wird auch die Artenvielfalt unserer Region profitieren: wo Wasser ist, da ist Leben! Die größte rheinland-pfälzische Weißstorchpopulation ist hier zu Hause, sie ist Symbol der hohen biologischen Wertigkeit dieser Wiesenlandschaft mit ihrem umfangreichen System von Be- und Entwässerungsgräben.

Hier einige aktuelle Bilder:


Offenbacher Wehr





Ans Offenbacher Wehr sind drei Bewässerungsgräben angeschlossen.



Knittelsheimer Wehr
Grundlegende Sanierung abgeschlossen, an dieses Bauwerk sind drei Bewässerungsgräben angeschlossen.





Ottersheimer Teilungswehr
Hier findet die Teilung der Queich im Verhältnis 3:2 statt: nach Süden zweigt der Spiegelbach ab, er nimmt 2/5 des Wassers auf.





Ottersheimer Rödelwehr
Grundlegende Sanierung abgeschlossen, hier sind zwei Bewässerungsgräben angeschlossen.


Unten: brandneue Armaturen, die ca. 1,90 Meter hohen Stautafeln können mit einfachem Kurbelbetrieb bedient werden





Wehr an der Neumühle
Neubau, an dieses Wehr sind Bewässerungsgräben der Ottersheimer Wiesen angeschlossen.





Schwarzes Wehr
, siehe ==> HIER



Hochstadter Wehr
Stark sanierungsbedürftig, momentan funktionslos




Zeiskamer Queich
Dieses Wehr soll mit einer bequemen Handkurbel nachgerüstet werden




Die kleinen Geschwister der großen Queichwehre: Wiesenschließen
Von diesem Bautyp gibt es sehr viele (namenlose) Bauten, im Laufe des Natura2000-Projektes wurden über 20 Schließen dieser Art neu errichtet. Von den alten, aber noch funktionsfähigen Schließen ist noch eine vielfache Menge im Einsatz.




Wässerwiesen im Abendlicht
Vorne ein Teil der Wässerwiesen, im Hintergrund das UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald
(Fotograf: Martin Grund)

Montag, 26. März 2007

Stellungnahme zu Kritik an Bewässerung

Zum Leserbrief „Zeigt den Bewässerern die rote Karte“ von K.-H. Stahlheber, RHEINPFALZ vom 21.3.2007:
Herr Stahlheber hat bei seinen Recherchen herausgefunden, dass die Massenansammlungen von Störchen etwas mit der Wiesenbewässerung zu tun haben. Damit liegt er richtig, hat aber in seinen Schlussfolgerungen einiges übersehen oder völlig falsch interpretiert:

1. Die Wiesenbewässerung ist keine Erfindung wild gewordener Naturschützer, sondern eine Einrichtung der Landwirtschaft, die im Queichtal nachweislich seit über 500 Jahren praktiziert wird.
2. Erstes Ziel dieser Maßnahme war und ist die Steigerung und Sicherung der Heuernte, was zu früheren Zeiten für die Landwirtschaft existentiell war und heute zumindest die weitere Bewirtschaftung der Wiesen durch Landwirte sichern hilft. Aus diesem Grunde unterstützt die Landwirtschaft den Erhalt und die weitere Reaktivierung der Wiesenbewässerung. Und ohne Mahd und Pflege gibt es keine Wiese.
3. Wiesenbewässerung ist nicht zu verwechseln mit Vernässung und Versumpfung. Sie fördert das Bodenleben gewaltig, die Biomasse an Regenwürmern und Großinsekten nimmt durch eine geordnete, fachgerecht durchgeführte Bewässerung zu. Diese sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Tierarten, am deutlichsten sichtbar durch die Storchenschwärme in der Zugzeit zur Zeit der Sommerbewässerungen. Noch wichtiger ist dieses reichhaltige Nahrungsangebot während der Brutzeit.
4. Herr Stahlheber geht von einem flächendeckenden Bewässerungsereignis im ganzen Queichtal aus. Tatsächlich aber werden die Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim nach einem von der Wasserbehörde festgelegten Terminplan in kleinen Abschnitten nacheinander bewässert. Obwohl die einzelnen Flächen i.d.R. nur 1-3 Tage betroffen sind, zieht sich damit die Frühjahrs- und Sommerbewässerung über einen Zeitraum von jeweils 4-6 Wochen hin. Es gibt daher in dieser Zeit immer irgendwo frisch bewässerte Stellen im Queichtal, auf der Störche und andere Tiere Nahrung finden können.
5. Die Offenbacher Niederwiesen, wo die beispiellosen Sicherungsmaßnahmen an den Stromleitungen durchgeführt wurden, gehörten schon vor dem Aussterben des Weißstorches 1973 zu seinen besten Nahrungsgründen – deshalb brütete hier auch der letzte Storch von Rheinland-Pfalz – und sie sind es auch heute wieder. Hier war die Bewässerung nie aufgegeben worden.
6. Einige Gemeinden entlang der Queich reaktivieren zur Zeit die Wiesenbewässerung, die sie in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt oder ganz aufgegeben haben. Dadurch verhindern sie, dass die seit Jahrhunderten durch die Bewässerung geprägte artenreiche Kulturlandschaft ihren Charakter verliert.
7. Die Fortsetzung und Reaktivierung der Wiesenbewässerung wird tatkräftig von den Naturschützern der Region unterstützt, die in der Aktion PfalzStorch, im NABU, im NVS und anderswo organisiert sind. Erhalt und Entwicklung der wechselfeuchten Wiesen bedeutet Erhalt und Schaffung von Lebensraum für Storch, Brachvogel, Bekassine, Wiesenpieper, Kiebitz und Wachtelkönig. Eine „Einstellung dieses verlustreichen Treibens“ würde deren Lebensgrundlage unwiederbringlich zerstören.
8. Dass gerade Amphibien unter den Bewässerungen leiden sollen, ist absurd. Ohne die Wiesenbewässerung gäbe es nicht das riesige Netz von zeitweise oder dauernd wasserführenden Gräben, die ideale Laichbiotope für die unterschiedlichsten Arten von Amphibien darstellen. Dieses Potential gilt es zu nutzen und auszubauen. Dass man die Offenbacher früher mit dem Spitznamen „Frösche“ belegt hat, ist sicher kein Zufall.

Es ist durchaus verständlich, wenn jemand die Zusammenhänge nicht kennt und der Wiesenbewässerung daher skeptisch gegenübersteht. Aber mit pauschalen und unberechtigten Vorwürfen eine große Gemeinschaftsleistung von Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen zu diskreditieren, statt sich bei Leuten zu informieren, die sich seit vielen Jahren intensiv damit befassen, hilft nicht weiter. Wir laden Herrn Stahlheber gerne zu einem Gespräch und einer Information vor Ort ein.

Dienstag, 13. März 2007

Geschichten aus den Wässerwiesen...

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Das Fuchsloch bei Zeiskam (alte Erzählung)
Quelle: http://gutenberg.spiegel.de

Drei Stunden von Germersheim liegt das Dorf Zeiskam, das durch seinen ausgedehnten Gemüse- und Gewürzpflanzenbau ziemlich bekannt geworden ist. Bei diesem Dorf stand ehemals die Burg der Herren von Zeiskam, die so mächtig waren, daß einer von ihnen sogar der Stadt Straßburg die Fehde ansagen konnte. Von einem anderen erzählt man im Dorf die folgende Sage.

Eines Morgens, noch früh im Jahr, kam ein altes Mütterchen aus dem Dorf Zeiskam zu dem Ritter auf die Burg und brachte ihm ein Körbchen mit gelben Rüben zum Geschenk. Der Ritter freute sich nicht wenig darüber, lobte die Schönheit der Möhren und sagte, die Leute im Dorf sollten ja recht viel von diesem trefflichen Gemüse bauen. Für das Geschenk aber möge sie sich selbst eine Gnade ausbitten.

Das Mütterchen benützte die günstige Stimmung des Ritters, um für das ganze Dorf ein gutes Werk zu stiften. Die Zeiskamer hatten nämlich, obwohl damals ebenso die Queich durch ihren Bann floß wie heute, kein Wasser in unmittelbarer Nähe des Dorfes. Daher sagte die Alte: »Herr Ritter, ich würde wohl um eine Kleinigkeit bitten; allein ich habe nicht den Mut dazu. Wenn wir das hätten, so wollten wir aus unseren Feldern Gärten machen.«

»Sprecht, Alte«, ermunterte sie der gutgelaunte Herr. »Ich will gerne Euren Wunsch erfüllen.«

»So gebt uns soviel Wasser, als durch ein Fuchsloch fließt!« bat die Alte.

»Sollt's haben«, entgegnete der Ritter und gab sogleich Befehl, in einen Stein ein Loch von der Größe eines Fuchslochs zu hauen, diesen in das Ufer der Queich einzusetzen und so dem Feld und dem Dorf das nötige Wasser zufließen zu lassen,

Es geschah, und davon schreibt sich ein Teil des Wohlstandes der Gemeinde her. Das Loch am Queichufer heißt noch heutigentags Fuchsloch.

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Entstanden ist daraus der Fuchsbach, der auch für die Wiesenbewässerung unterhalb der Fuchsmühle eine wichtige Rolle spielt.


Restauriert: das "Schwarze Wehr" am Fuchsbach

Hier ein Zeitungstext (Rheinpfalz 2003):

Am Fuchsbach auf den Hochstadter Queichwiesen befindet sich das “Schwarze Wehr”, so genannt, weil es offensichtlich an der Schwarzlach erbaut wurde, einem heute nicht mehr existierenden Be- und Entwässerungsgraben, dessen Funktion späterhin der Fuchsbach übernommen hat. In Hochstadt wird der Name Fuchsbach selten gebraucht, die Hochstadter reden lieber vom “Gräwel”. Diese Bezeichnung deutet daraufhin, dass es sich um einen künstlichen Wasserlauf, also um einen Graben handelt.

Historisch belegt ist, dass anno 1428 Kurfürst Ludwig "Pfalzgraf bey Rheyn in Heydelberg, durch Gnadenakt die Abzweigung eines Flüssleins aus seinem Landwasser Queich verfügte”. Die Abzweigung erfolgte durch einen in das Queichbett eingefügten Stein, der mit einem Durchlass von der Größe eines Fuchsloches versehen war. Dieser Durchlass, der dem Bach seinen Namen gab, besteht auch heute noch. Da der Bach der Gnade des Kurfürsten zu verdanken ist, wurde er in früheren Zeiten auch Gnadenwasser genannt. Das Schwarze Wehr", das vor gut 200 Jahren mit Pfälzer Buntsandsteinquadern auf massiven Eichenbalken mörtelfrei errichtet wurde, hatte in früheren Jahren für die Hochstadter eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, weil sie dort ihr Wasser entnehmen konnten, das sie für die Wiesenbewässerung brauchten. Gute Heuernten waren die Voraussetzung für einen gesunden Viehbestand, auf dem der Wohlstand der Hochstadter, insbesondere der Niederhochstadter Bauern beruhte. Das im Laufe der Jahrhunderte entwickelte und auf einer topographisch fast ebenen Fläche funktionierende Be- und Entwässerungssystem darf als Meisterleistung Hochstadter Landwirte bezeichnet werden.


Der Fuchsbach

Im letzten Jahrhundert, als sich auch die Landwirte Hochstadts immer mehr dem Weinbau zuwandten, schwand das Interesse an der Wiesenbewässerung und somit auch am Erhalt des "Schwarzen Wehrs", weil die Viehzucht nur noch von untergeordneter Bedeutung war. Natürlich ging auch an dem einst so wichtigen und schließlich ungenutzten Bauwerk die Zeit nicht spurlos vorbei. Halterungen rosteten durch, Sandsteinquader neigten sich und der Mechanismus aus Getriebe- und Zahnstangen, mit dessen Hilfe der Wasserlauf gesperrt, umgeleitet oder geöffnet werden konnte, funktionierte nicht mehr.

Überraschenderweise wurde in jüngster Zeit das Interesse des Naturschutzes an dem alten Kulturgut geweckt. Die "Aktion Pfalzstorch" und die geplante ökologische Wiederbelebung der Queichwiesen haben der künstlichen Bewässerung des Grünlandes wieder zur Bedeutung verholfen. Der Naturschutzverband Südpfalz e.V. und die Naturschutzgruppe “Die Blaukehlchen” begannen gemeinsam mit der Gemeinde Hochstadt und dem Wasser- und Bodenverband Niederhochstadt damit, das “Schwarze Wehr” wieder funktionsfähig zu machen und von Grund auf originalgetreu zu restaurieren. Unterstützt werden sie von dem Ottersheimer Baugeschäft Achim Kröper.

Die Eichenbohlenbasis bleibt bestehen, die alten Sandsteinquader werden wieder verwendet, die Deckplatte, die bei einer früheren Reparatur aus Beton gefertigt wurde, soll dem Original entsprechend wieder durch eine Sandsteinplatte ersetzt werden. Mit Vollendung dieses Vorhaben und den dann in Abstimmung mit der Landwirtschaft möglichen Bewässerungsmaßnahmen kann den Queichwiesen um Hochstadt wieder ein Stück ihrer Ursprünglichkeit zurückgegeben werden. (op)

Die Restaurierungsarbeiten wurden erfolgreich abgeschlossen und das “Schwarze Wehr” wurde am 1. August 2003 wieder seiner Bestimmung übergeben.

Die Inbetriebnahme erfolgte durch die Landrätin des Kreises SÜW, Theresia Riedmaier (deren “Förderverein zur Pflege und zum Schutz von Natur und Umwelt an der südlichen Weinstraße” auch finanzielle Hilfe leistete), die das neu erstandene Wehr einweihte, indem sie die Staueinrichtung betätigte und das Wasser zur Bewässerung freigab.


Dank der Hilfe von Franz Grimm, Gleisweiler, und Mitgliedern der Gruppe „Blaukehlchen“ konnte das Werk vollendet werden. Die Steinmetzarbeiten übernahm die Firma Hoffmann, Knittelsheim, zum Selbstkostenpreis.

Für die Weißstorchpopulation im Bereich der Queichwiesen hat die Bewässerung jetzt eine fundamentale Bedeutung durch das damit gesteigerte Nahrungsvolumen in Form von Insekten, Würmern und allem, was sich im Wasser der überschwemmten Wiesen einfindet. Damit wird den Störchen ein erheblich verbesserte Möglichkeit geboten, in Zukunft genug Nahrung zu finden und eine stabile Population im Bereich der Queichwiesen zu bilden. Natürlich profitieren auch unzählige andere Arten von dem nun wieder vernässten Grabensystem.