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Montag, 9. April 2007

Wehre an der Queich

Stand 9. April 2007, Beitrag wird noch ergänzt
Das Copyright sämtlicher Aufnahmen liegt bei der Aktion PfalzStorch, bitte ohne Absprache keine Bilder für die Verwendung in Print- oder Onlinemedien etc. entnehmen! Dies gilt ausnahmslos auch für alle anderen Aufnahmen in diesem Blog!

Mit den im folgenden Beitrag vorgestellen Wehren haben die Bauern zum großen Teil schon seit vielen Jahrhunderten die Queichwiesen bewässert. Zwar gab es die Wiesenbewässerung auch an allen anderen Bächen der Pfalz, doch nirgendwo sonst sind sowohl die Bauten als auch ihre Nutzung in die Neuzeit "hinübergerettet" worden. Dass das Interesse für dieses pfälzische Kleinod gerade noch rechtzeitig geweckt wurde, ist auch ein ganz wesentliches Verdienst der Wiederansiedelung des Weißstorchs durch die Aktion PfalzStorch!

Diese Wehre sind beeindruckende Zeugen unserer pfälzischen Kulturlandschaft!

Durch das Natura2000-Projekt "Bellheimer Wald und Queichwiesen" (das Gebiet umfaßt ca. 5000 Hektar) wurden mittlerweile fast alle für die Bewässerung notwendigen Wehre restauriert und der alten Funktion zugeführt. Davon wird auch die Artenvielfalt unserer Region profitieren: wo Wasser ist, da ist Leben! Die größte rheinland-pfälzische Weißstorchpopulation ist hier zu Hause, sie ist Symbol der hohen biologischen Wertigkeit dieser Wiesenlandschaft mit ihrem umfangreichen System von Be- und Entwässerungsgräben.

Hier einige aktuelle Bilder:


Offenbacher Wehr





Ans Offenbacher Wehr sind drei Bewässerungsgräben angeschlossen.



Knittelsheimer Wehr
Grundlegende Sanierung abgeschlossen, an dieses Bauwerk sind drei Bewässerungsgräben angeschlossen.





Ottersheimer Teilungswehr
Hier findet die Teilung der Queich im Verhältnis 3:2 statt: nach Süden zweigt der Spiegelbach ab, er nimmt 2/5 des Wassers auf.





Ottersheimer Rödelwehr
Grundlegende Sanierung abgeschlossen, hier sind zwei Bewässerungsgräben angeschlossen.


Unten: brandneue Armaturen, die ca. 1,90 Meter hohen Stautafeln können mit einfachem Kurbelbetrieb bedient werden





Wehr an der Neumühle
Neubau, an dieses Wehr sind Bewässerungsgräben der Ottersheimer Wiesen angeschlossen.





Schwarzes Wehr
, siehe ==> HIER



Hochstadter Wehr
Stark sanierungsbedürftig, momentan funktionslos




Zeiskamer Queich
Dieses Wehr soll mit einer bequemen Handkurbel nachgerüstet werden




Die kleinen Geschwister der großen Queichwehre: Wiesenschließen
Von diesem Bautyp gibt es sehr viele (namenlose) Bauten, im Laufe des Natura2000-Projektes wurden über 20 Schließen dieser Art neu errichtet. Von den alten, aber noch funktionsfähigen Schließen ist noch eine vielfache Menge im Einsatz.




Wässerwiesen im Abendlicht
Vorne ein Teil der Wässerwiesen, im Hintergrund das UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald
(Fotograf: Martin Grund)

Montag, 26. März 2007

Stellungnahme zu Kritik an Bewässerung

Zum Leserbrief „Zeigt den Bewässerern die rote Karte“ von K.-H. Stahlheber, RHEINPFALZ vom 21.3.2007:
Herr Stahlheber hat bei seinen Recherchen herausgefunden, dass die Massenansammlungen von Störchen etwas mit der Wiesenbewässerung zu tun haben. Damit liegt er richtig, hat aber in seinen Schlussfolgerungen einiges übersehen oder völlig falsch interpretiert:

1. Die Wiesenbewässerung ist keine Erfindung wild gewordener Naturschützer, sondern eine Einrichtung der Landwirtschaft, die im Queichtal nachweislich seit über 500 Jahren praktiziert wird.
2. Erstes Ziel dieser Maßnahme war und ist die Steigerung und Sicherung der Heuernte, was zu früheren Zeiten für die Landwirtschaft existentiell war und heute zumindest die weitere Bewirtschaftung der Wiesen durch Landwirte sichern hilft. Aus diesem Grunde unterstützt die Landwirtschaft den Erhalt und die weitere Reaktivierung der Wiesenbewässerung. Und ohne Mahd und Pflege gibt es keine Wiese.
3. Wiesenbewässerung ist nicht zu verwechseln mit Vernässung und Versumpfung. Sie fördert das Bodenleben gewaltig, die Biomasse an Regenwürmern und Großinsekten nimmt durch eine geordnete, fachgerecht durchgeführte Bewässerung zu. Diese sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Tierarten, am deutlichsten sichtbar durch die Storchenschwärme in der Zugzeit zur Zeit der Sommerbewässerungen. Noch wichtiger ist dieses reichhaltige Nahrungsangebot während der Brutzeit.
4. Herr Stahlheber geht von einem flächendeckenden Bewässerungsereignis im ganzen Queichtal aus. Tatsächlich aber werden die Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim nach einem von der Wasserbehörde festgelegten Terminplan in kleinen Abschnitten nacheinander bewässert. Obwohl die einzelnen Flächen i.d.R. nur 1-3 Tage betroffen sind, zieht sich damit die Frühjahrs- und Sommerbewässerung über einen Zeitraum von jeweils 4-6 Wochen hin. Es gibt daher in dieser Zeit immer irgendwo frisch bewässerte Stellen im Queichtal, auf der Störche und andere Tiere Nahrung finden können.
5. Die Offenbacher Niederwiesen, wo die beispiellosen Sicherungsmaßnahmen an den Stromleitungen durchgeführt wurden, gehörten schon vor dem Aussterben des Weißstorches 1973 zu seinen besten Nahrungsgründen – deshalb brütete hier auch der letzte Storch von Rheinland-Pfalz – und sie sind es auch heute wieder. Hier war die Bewässerung nie aufgegeben worden.
6. Einige Gemeinden entlang der Queich reaktivieren zur Zeit die Wiesenbewässerung, die sie in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt oder ganz aufgegeben haben. Dadurch verhindern sie, dass die seit Jahrhunderten durch die Bewässerung geprägte artenreiche Kulturlandschaft ihren Charakter verliert.
7. Die Fortsetzung und Reaktivierung der Wiesenbewässerung wird tatkräftig von den Naturschützern der Region unterstützt, die in der Aktion PfalzStorch, im NABU, im NVS und anderswo organisiert sind. Erhalt und Entwicklung der wechselfeuchten Wiesen bedeutet Erhalt und Schaffung von Lebensraum für Storch, Brachvogel, Bekassine, Wiesenpieper, Kiebitz und Wachtelkönig. Eine „Einstellung dieses verlustreichen Treibens“ würde deren Lebensgrundlage unwiederbringlich zerstören.
8. Dass gerade Amphibien unter den Bewässerungen leiden sollen, ist absurd. Ohne die Wiesenbewässerung gäbe es nicht das riesige Netz von zeitweise oder dauernd wasserführenden Gräben, die ideale Laichbiotope für die unterschiedlichsten Arten von Amphibien darstellen. Dieses Potential gilt es zu nutzen und auszubauen. Dass man die Offenbacher früher mit dem Spitznamen „Frösche“ belegt hat, ist sicher kein Zufall.

Es ist durchaus verständlich, wenn jemand die Zusammenhänge nicht kennt und der Wiesenbewässerung daher skeptisch gegenübersteht. Aber mit pauschalen und unberechtigten Vorwürfen eine große Gemeinschaftsleistung von Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen zu diskreditieren, statt sich bei Leuten zu informieren, die sich seit vielen Jahren intensiv damit befassen, hilft nicht weiter. Wir laden Herrn Stahlheber gerne zu einem Gespräch und einer Information vor Ort ein.

Freitag, 2. März 2007


Eine kleine Impression aus den Queichwiesen von heute Nachmittag. Die Queich führt Hochwasser und einige Flächen sind überschwemmt. Die bereits zurückgekehrten Störche haben es jetzt nicht schwer, Nahrung zu finden, vor allem Regenwürmer. Der Storch in der Ferne ist entweder das Hochstadter Männchen oder das fremd gehende Weibchen von Bornheim 1. Beide standen kurze Zeit vorher an dieser Stelle zusammen.