Sonntag, 13. Mai 2007

Zeiskamer Neubürger


Die Jungen des Storchpaares, das letztes Jahr auf der Zeiskamer Mühle gebrütet hatte und in diesem Jahr auf ein Ersatznest umziehen musste, sind inzwischen 3 Wochen alt.

Dienstag, 8. Mai 2007

Gutes Nahrungsangebot durch Mahd und Bewässerung



Infolge der außergewöhnlich hohen Frühlingstemperaturen der vergangenen Wochen ist die Vegetation schon sehr weit fortgeschritten. Das Gras in den Wiesen ist bereits jetzt so hoch, dass die Störche hier, wenn die Wiesen nicht gerade überflutet oder bewässert werden, nicht mehr genug Nahrung finden. Sie müssen einfach zu lange suchen und schaffen es deshalb kaum, damit mehrere Jungen zu ernähren. Nur dort, wo einzelne Wiesen auch früher gemäht werden und nicht erst Mitte Juni, ist die Versorgung der Jungvögel gewährleistet. In Offenbach/Queich haben einige Landwirte bereits am 2. Mai gemäht, zur Herstellung von Grassilage. Die frisch gemähten Flächen werden sofort von Nahrung suchenden Störchen angenommen. Wenn dann anschließend die Wiesen noch bewässert werden, wie es zur Zeit geschieht, ist das für die Störche wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig.
Übrigens: In dem Masthorst im 2. und 3. Bild sind vor einigen Tagen Junge geschlüpft - mitten im Schlaraffenland!

Sonntag, 6. Mai 2007

Endlich wieder Regen!

Gestern kam der lang ersehnte Regen, Wolken von Osten. Danach der typisch erdige Geruch in der Luft, herrlich. Die Altstörche waren Regenschirm und Wärmflasche gleichzeitig. Die Jungstörche (um sie Küken zu nennen, sind sie fast schon zu groß - oder?) haben in dieser Altersstufe noch stark eingeschränkte Fähigkeiten, ihre Temperatur selbstständig zu regeln. Sie brauchen ihre Eltern noch unbedingt als Sonnenschirm, Regenschirm und wenn es kühler ist auch noch als Wärmequelle.

Insgesamt fielen zwischen 5 und 10 mm Regen, heute wieder ein strahlender Sonn(en)tag.

In der Nacht von Montag auf Dienstag kann mit weiteren Regenfällen in unserer Region gerechnet werden, trockener wird es wieder ab Donnerstag. Die extrem stabile Hochdrucklage der vergangenen Wochen ist beendet, mittelfristig folgt eine wechselhaftere Westwindlage.

Auf der Seite http://www.pfalzstorch.de/seiten/wetter.html haben wir ein paar gute Wetterlinks zusammengestellt.


Klickbild: Regenschirm




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Regionale Wetterkameras:

http://www.martingrund.de/webcam/mobotix.htm
(meine private Wetterkam)
http://schulebza.dyndns.org/webcam/

Regionale Marktplatz-Kameras:

Landau/Pfalz

Neustadt/Weinstraße, Bild 1
Neustadt/Weinstraße, Bild 2

Samstag, 5. Mai 2007

Das Storchenwetter im April, Klimatendenzen in Rheinland-Pfalz

Ob unsere Weißstörche genug Futter finden und welches Futter sie finden, hängt von vielen Faktoren ab. Das "Storchenwetter" ist einer davon. Die vergangenen Wochen waren vor allem durch zwei Besonderheiten geprägt: kein Regen und stark überdurchschnittliche Temperaturen. Ohne Wiesenbewässerung wäre die Verfügbarkeit von feiner, weicher Nahrung (sehr wichtig für die Küken in der Anfangsphase) drastisch geringer gewesen, da sich Insektenlarven und Regenwürmer bei austrocknenden Böden in tiefere Schichten zurückziehen und dadurch als Nahrung nicht mehr verfügbar sind.


Der folgende Beitrag gibt erst mal einen kleinen Rückblick auf das Aprilwetter, geht anschließend auf die gemessenen Veränderungen der Niederschläge in Rheinland-Pfalz seit 1931 ein und gibt einen Ausblick auf die wahrscheinlichen Klimaveränderungen in unserer Region.


1. Rückblick auf den April

Hinter uns liegt ein bemerkenswertes Ereignis: der gesamte April brachte in der Südpfalz nahezu keinen Tropfen Regen. Zur groben Orientierung dienen die April-Werte der Messstation des Deutschen Wetterdienstes in Karlsruhe, sie liegt ca. 25 Kilometer Luftlinie von Bornheim entfernt:

Sonnenscheinstunden: 353,5 (ca. 220% des Normalwertes)
Die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer für April liegt dort bei "nur" 411,5 Stunden, d.h. die Sonne schien in diesem Monat - ähnlich wie in den Wüsten des Globus - zu ca. 86 % des astronomischen Maximalwertes!

Niederschlagssumme: unter 1 mm

Durchschnittstemperatur: 14,9°C
(Abweichung: 5 Kelvin über dem Durchschnitt)

Quelle: http://freenet-homepage.de/frosch61.de/MonatsrueckblickHomepage.htm



2. Veränderungen der Niederschlagsmengen und ihrer jahreszeitlichen Verteilung in Rheinland-Pfalz seit 1931; weitere Aussichten für das Klima in unserer Region durch Modellberechnungen

In einem Interview des SWR wird Klima-Experte Dr. Benno Hain vom Umweltbundesamt mit folgenden Aussagen zitiert:
"Bis zum Jahr 2100 könnten die Winter im Südwesten Deutschlands um mehr als 4°C wärmer werden als im Zeitraum 1961 bis 1990. Die Ergebnisse des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg besagen, dass es (...) am Rheingraben längerfristig zu viel stärkeren Temperatur-Anstiegen als im gesamtdeutschen Durchschnitt und zur Verminderung der Niederschläge kommen kann.

Besonders stark gehen die Sommerniederschläge zurück. Hier könnte es bis zum Ende dieses Jahrhunderts im Vergleich zu heute ein Minus von bis zu 30% geben. Im Gegensatz hierzu könnten die Winter feuchter werden. Vor allem in den Mittelgebirgen Süd- und Südwestdeutschlands ist über ein Drittel mehr Niederschlag zu erwarten als heute. An der Westseite des Schwarzwalds könnten die Niederschläge etwas abnehmen. Im Schwarzwald und an dessen Ostseite hingegen gibt es tendenziell mehr Niederschlag."



Harte Fakten: die Messwerte seit 1931
Während der Blick in die Zukunft durch klimatische Modellrechnungen immer Unsicherheiten aufweist, so ist der durch Meßergebnisse belegte Rückblick ziemlich eindeutig. Die Landesregierung hat im Jahre 1991 anhand von elf Klimastationen die jährlichen und monatlichen Niederschlagsspenden nach Veränderungen hin untersucht. Man hat den Zeitraum 1931-1961 mit dem Zeitraum 1961-1991 verglichen.

Für Rheinland-Pfalz wurden im Mittel (d.h. die spezifischen regionalen Besonderheiten z.B. von Süd- und Vorderpfalz werden hier nicht dargestellt!) u.a. folgende Abweichungen festgestellt:

Zunahme der Niederschläge im Winter (Januar bis März) +13 %
Abnahme der Niederschläge im Sommer (Juli bis September) - 3 %

Im Vergleich der 30jährigen Reihen fallen folgende Monate mit deutlichen Verschiebungen besonders auf:
März + 44,8 %
August - 9,6 %

Quelle: http://www.umdenken.de/ub1996/ub0436.htm


Die oben angeführten Modellrechnungen für die klimatische Zukunft im Südwesten liegen daher im Trend der vergangenen Jahrzehnte. Wenn bei gleichzeitiger deutlicher Erhöhung der Durchschnittstemperaturen die Niederschlagsmenge im Hochsommer weiter abnimmt, so hat das langfristig auf den Wasserhaushalt wohl erhebliche Auswirkungen.

Wahrscheinlich wird für unsere Region neben der deutlichen Erhöhung der Durchschnittstemperaturen also auch die noch stärkere Umverteilung der Niederschläge prägend werden: mehr Niederschläge im Winter und zeitigen Frühjahr und weniger im Sommer.

Bilder vom 1. Mai

Hubert M. hat uns einige Fotos gschickt, vielen Dank!

Zehn Störche schrauben sich über der Zeiskamer Mühle in den blauen Himmel:



Brutpaar in Knittelsheim (Vorgeschichte siehe => HIER):

Übersicht

Nest auf der Kirche: die erste Küken sind offensichtlich geschlüpft, da wir klassische Merkmale von Fütterungen beobachten konnten (Storch steht vornüber gebeugt mitten im Nest und würgt etwas aus). Der Nestrand ist aber so hoch, dass man momentan noch keine Chance hat, den Nachwuchs zu sehen.


Oben: im Nest am Sportplatz sind 4 Küken




Nest auf der Storchenscheune: auch hier läuft offensichtlich alles normal...

Dienstag, 1. Mai 2007

B1: kleinstes Küken gefressen

Nach einen Anruf aus der Storchenscheune (dort hat man den Vorgang live am Monitor gesehen) bekomme ich eben den Hinweis: gegen 10.10 Uhr hat der Storchenmann das kleinste Küken mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit gefressen (und nicht wie wir zuerst vermutet haben aus dem Nest geworfen)! Zeitraffer-Aufnahmen haben auch eindeutig gezeigt, dass das Küken zuvor noch gelebt hat.

Die Webcam hat von diesem (aus menschlicher Sicht traurigen, aus Sicht der Weißstörche aber ganz und gar natürlichen) Moment etliche normal aufgelöste Bilder, zufällig aber auch ein hochaufgelöstes Bild (routinemäßig alle 5 Minuten) gemacht.

Dieses Bild ist an Eindringlichkeit nicht zu überbieten (für Originalgröße draufklicken):


Wichtige Info für alle neuen Nestbeobachter:
Dieses Verhalten ist bei Weißstörchen ganz und gar NORMAL! Das Gelege ist eigentlich IMMER größer als die Anzahl der groß gezogenen Küken. Häufig frißt einer der Altstörche die kleinsten Küken (Kronismus; nach eine griechischen Sage verschlang der Titan Kronos seine eigenen Kinder), oder sie werden aus dem Nest geworfen und kommen dann entweder gleich durch den Aufprall oder anschließendes Verhungern (falls der Fall durch Vegetation o.ä. gebremst wird) bzw. Gefressenwerden von Fuchs o.ä. ums Leben

Chronologie:





Klickbild unten: die letzte Aufnahme vom Küken, kurz bevor es vom Vater gefressen wird :-(


Man darf und kann hier aber keine menschlichen Maßstäbe anlegen (gemein, herzlos, sadisdisch...), genauso sind Begriffe wie Trauer, Schuld und Reue vollkommen fehl am Platz. Die Störche tun einfach das, was für das Überleben ihrer Art seit Urzeiten das Optimale darstellt, dazu gehört auch mitunter das Fressen oder Rauswerfen der eigenen Nachkommenschaft.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit der restlichen Küken ist durch diesen kompromißlosen Selektionsvorgang gestiegen. Damit sind nur noch drei Küken im Nest, so wie in den Jahren zuvor.



In diesem Zusammenhang interessant:

Wir wissen aus unseren langjährigen Aufzeichnungen, dass die Weißstorchnester in der Südpfalz im Bereich der Queichwiesen ein absolut hervorragendes Brutergebnis haben. Die durchschnittliche Anzahl erfolgreich ausgeflogener Jungstörche liegt hier bei ca. 2.4 pro Nest. Das ist vor allem der sehr guten Nahrungssituation durch die Reaktivierung der Wässerwiesen zuzuschreiben (aber keinesfalls irgendeiner Form systematischer Zufütterung, wie manche Kritiker immer wieder gerne unken, ohne die Situation vor Ort jemals begutachtet zu haben...).

Interessant folgende Vergleichszahl: in den weltweit "besten" Weißstorchbrutgebieten mit den höchsten Reproduktionszahlen überhaupt liegt der Wert bei durchschnittlich ca. 2.9 Jungen pro Nest und Jahr. Es handelt sich vor allem um die Save-Auen und den größten polnischen Nationalpark im Tal der Biebrza. Letzterer schützt eines der riesigsten (Fläche: 59 223 ha), im natürlichen Zustand erhaltenen Niedermoorgebiete Europas.
=> http://www.biebrza.org.pl/ang/index.html

Das heißt: selbst unter optimalen natürlichen Bedingungen fliegen beim Weißstorch durchschnittlich nicht mehr als drei Junge pro Nest und Jahr aus!

Wir wünschen den drei verbliebenen Küken jetzt ganz besonders alles Storchenglück der Welt für ein gutes Wachstum und ein glückliches Ausfliegen!! Die Realisten unter den Nestbeobachtern werden aber wissen, was und wieviel bis dahin noch passieren kann...

Kameranester: der aktuelle Stand

Zur Erinnerung: auf der rechten Seite finden Sie unter "Wichtige Links" die Zeile "==> Nestinfo in der Kurzübersicht". Hier sind die Basisdaten aufgelistet.

B1 (Nest auf dem Dach der Storchenscheune)

Momentan sind 4 Küken zu sehen. Bislang hat dieses Paar noch nie 4 Küken erfolgreich groß gezogen. Die beiden Kleinsten wurden nach Storchenart entweder von den Eltern gefressen oder aus dem Nest geworfen. Es ist unklar, wie der Gesundheitszustand der Störchin ist. Ob die Kraft reicht, Futter für vier hungrige Schnäbel zu finden? Es fällt auf, dass sie deutlich häufiger als in den vergangenen Jahren mit geschlossenen Augen hudernd bzw. zuvor brütend auf dem Nest sitzt. Merkwürdig war in den vergangenen Tagen auch, dass ihr Schnabel total verdreckt war (wie noch nie beobachtet seit Beginn der Kameraübertragung), während das Männchen immer blitzblank aussah.



B2 (Nest auf dem Dach der evangelischen Kirche)

Wir haben noch keine Fütterung beobachten können, daher wahrscheinlich noch keine Küken geschlüpft. Nach unseren Berechnungen müßten die ersten Küken aber in den nächsten Tagen ankommen.



Das Paar am Sportplatz (früheres Kameranest) hat ebenfalls 4 Küken.