Sonntag, 29. April 2007

Treffen der Überflieger: Weißstorch und Mauersegler

Userin "Sylvi" hat aus einem mxpeg-Clip der Nestkamera (evangelische Kirche) ein interessantes Bild extrahiert und in die Galerie gestellt (danke!):
drei Mauersegler sausen gerade knapp am Glockenturm der evangelischen Kirche vorbei, Abstand zur Kamera ungefähr drei Meter.


Klickbild
Zwei extrem unterschiedliche Fliegertypen zusammen auf einer Aufnahme: Mauersegler (Apus apus) und brütender Weißstorch (Ciconia ciconia).

Die Mauersegler haben ihre Bruthöhlen direkt nebenan unterm Dach vom Bornheimer Rathaus. Die ersten nennenswerten Gruppen sind in der vergangenen Woche bei uns eingetroffen, ca. eine Woche früher als sonst.

Wir werden zusammen mit dem Bornheimer Vogelschutzverein versuchen, an geeigneter Stelle weitere Nistgelegenheiten für diese faszinierenden Luftnomaden zu schaffen. Bestimmt haben wir dann in ein paar Jahren eine große Mauerseglerkolonie direkt neben dem Storchenzentrum!

Mauersegler sind äußerst "saubere" Hausbewohner und hinterlassen selbst nach vielen Jahren keinerlei Kotspuren an der Fassade. Und wenn sie sich einmal angesiedelt haben, gehören sie durch ihre extreme Brutplatztreue für immer "zum Hausinventar" und verbreiten positive Sommerstimmung, wenn sie mit den typischen Sriiii-sriiii-Rufen in rasanten Gruppenflügen um die Häuser jagen.

Durch das Abspielen spezieller Klangattrappen kann man die Segler punktgenau in geeignete Nistkästen anlocken, siehe z.B. => HIER

Der Storch ist ein perfektionierter Segler mit großen, breiten Flügeln. Bei geeigneter Thermik werden große Strecken ohne Flügelschlag im Gleitflug zurücklegt. Mauersegler haben ein recht variables Flügelprofil: im Schnellflug wirken die Flügel schmal und spitz (im Webcambild sehr gut zu sehen), für den Langsamflug wird das Profil deutlich breiter verstellt. Der Name Mauersegler ist etwas mißverständlich: segeln wie der Storch kann Apus apus nicht, nur besonders starke Aufwinde (z.B. vor einer Gewitterfront) kann er in ähnlicher Weise nutzen.

Es sind hochspezialisierte Insektenjäger, die nach aktuellem Kenntnisstand weltweit die einzigen Vögel sind, die außerhalb der Brutzeit (9 Monate) Tag UND Nacht in der Luft verbringen! Wenn Mauersegler im Alter von zwei oder drei Jahren zum ersten Mal brüten, dann haben sie ihr Leben sehr wahrscheinlich non-stop in der Luft verbracht (bis dahin ca. 600.000 Flugkilometer)!

Mauersegler haben nur scheinbar Ähnlichkeit mit Schwalben, zoologisch gesehen sind sie näher mit den Kolibris verwandt!

Eine Forschungsgruppe der Universität Lund (Schweden) konnte mit Doppler-Radar feststellen, daß die Mauersegler durchschnittlich in 1700 Meter Höhe übernachten. Ausgewertet wurden nächtliche Radaraufnahmen von über 200 Mauerseglern ("Confronting the winds: orientation and night behaviour of roosting swifts, Apus apus - Johan Bäckman and Thomas Alerstam" - Department of Animal Ecology, Ecology Building, Lund University, SE-22362 Lund, Sweden; 2001).


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http://www.martingrund.de/apus/
Allgemeine Infos über Mauersegler, u.a. Bericht über die gezielte Ansiedlung einer Mauerseglerkolonie an einem Privathaus

http://www.nabu-mauerseglerschulen.de/
Mauersegler-Schulprojekt des NABU Rheinland-Pfalz

Samstag, 28. April 2007

Neue Storchenpaare

Erfreuliche Nachrichten: 2007 haben sich etliche neue Brutpaare in unserer Region niedergelassen! Hier ein paar Bilder aus einem 190 Hektar großen Naturschutzgebiet am Speyerbach (ca. 14 km nördlich von Bornheim), aufgenommen heute Nachmittag. Ungefähr 140 Hektar des NSG bestehen aus ehemaligen Wässerwiesen.
=> Info 1
=> Info 2



Das Paar brütet seit einigen Tagen, beide Störche sind unberingt.


Bild oben: ein Storch sitzt hoch oben auf dem Nest, der Partner ist unterwegs in den Wiesen





Bild oben: gleich findet ein Brutwechsel statt, der Partner ist gerade von den Wiesen zurückgekommen


Die Nestplattform wurde übrigens im März 2000 montiert, es handelt sich um den ersten Brutversuch von Weißstörchen im NSG. Im näheren Umkreis brütet das Paar auf der Geinsheimer Kirche (Luftlinie 2.5 km)

Donnerstag, 26. April 2007

Neues Nestvideo

Wieder einmal hat uns YouTube-Userin Nina1749 aus den täglichen mxpeg-Clips ein Gesamtvideo generiert, tausend Dank!

Hier der Link: http://www.youtube.com/watch?v=nLrbm6RAE4I

Mittwoch, 25. April 2007

Frühjahrsbewässerung an der Queich (Teil 2)

"Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe.
Es hat ein schwarzweiß Röcklein an und trägt rote Strümpfe."


Ein altes Kinderlied. Störche, Wiesen und Wasser gehören irgendwie zusammen. Sümpfe gibt's an der Queich zwar nicht, "normale" Wiesen sind Wässerwiesen aber auch keine. Es sind wechselfeuchte Wiesen: mehrmals im Jahr bekommen sie während der Wässertage "nasse Füße", es gibt kurzzeitig eine leichte Überflutung, danach läßt man sie wieder abtrocknen.

Der mosaikartig bewässerte Bereich der Queichwiesen erstreckt sich über fast 9 Kilometer von West nach Ost. Der Reiz des Gebietes erschließt sich vor allem dem aufmerksamen und rücksichtsvollen Spaziergänger, der vom Weg aus das Leben auf den Wiesen und am Wegesrand beobachtet, ohne zu stören. Wer hier schnell mit dem Auto vorbeischauen will, um "mal Störche zu sehen", der wird wohl enttäuscht werden. Vielleicht ganz gut so, denn um Natur besser zu verstehen muß man sie mit Umsicht und Bedacht erleben. Die letzten, kostbaren Naturbereiche in unserer dicht besiedelten Landschaft verdienen es nicht, dass wir sie in Fastfood-Mentalität konsumieren...


Hier ein paar Bildimpressionen aus dem östlichen Abschnitt (Aufnahmen vom 24. April).


Bild oben: Bewässerungsgraben und zwei Wiesenschließen. Die Fläche rechts vom Graben wird gerade gewässert und prompt haben sich 8 Störche zur Nahrungssuche eingefunden! Gewässerte und (noch) nicht gewässerte Flächen kann man oft ganz leicht aus der Ferne auseinanderhalten: (noch) nicht gewässerte Flächen werden von den Störchen nahezu parzellenscharf "ignoriert", da das Angebot verfügbarer Nahrung dort wesentlich geringer ist. Die Aufnahmeentfernung beträgt ca. 200 Meter. Unvorsichtige Beobachter würden jetzt vielleicht versuchen, noch näher an die Störche heranzukommen und sie damit verscheuchen... :-(

UNSERE GROßE BITTE:

Beobachten ja, aber immer nur aus sicherer Entfernung, bitte niemals eine Störung der Störche riskieren!
==> INFO Das erfordert generelle Zurückhaltung und Respekt vor den Wildtieren!



Bild oben: drei Wiesenwehre kennzeichnen den Verlauf dieses Bewässerungsgrabens, die Störche sind ca. 200 Meter entfernt. Wenn man kein Fernglas mitnimmt, wird man oft nur wenig sehen können... Ganz falsch ist allerdings auch die Erwartungshaltung, immer und überall Störche sehen zu können!




Bild oben: dieser Masthorst ist bisher noch nicht belegt. Hier hat sich aber gerade ein interessierter Gast eingefunden, kurze Zeit später wollte ein zweiter Storch dazu, wurde aber abgewehrt. Unsere durch viele Ringablesungen dokumentierten Beobachtungen zeigen, dass sich neue Brutvögel oft schon im Vorjahr als Nahrungsgäste in den Wässerwiesen einfinden, bevor sie sich später in der Region niederlassen. Die Reaktivierung der Wiesenwässerung ist die herausragende und nachhaltig ökologischste Methode um neue Brutpaare zum Aufbau bzw. Stabilisierung der Pfälzer Weißstorchpopulation zu rekrutieren!


Oben: das Bild ist zwar unscharf, hat aber trotzdem einen gewissen Reiz ;-) Hier landet gerade ein Storch bei einer Futter suchenden Gruppe. Immer wieder faszinierend, daß die Störche schon bald nach Beginn einer Wässerung gezielt diese Wiesenabschnitte anfliegen! Neue Störche schweben ein, solche die genug Futter gesammelt haben fliegen wieder ab, dazwischen ihre eifrig pickenden Artgenossen. Übrigens werden die Wiesen nicht nach einem starren System z.B. von West nach Ost bewässert. Es kommt vor, daß eine Bewässerung um 18 Uhr "abgestellt" wird, aber gleichzeitig 8 km weiter westlich eine neue Bewässerung für 24 oder 48 Stunden startet. Die Störche müssen also erst jede aktuell bewässerte Fläche "entdecken", ein Lerneffekt ist wegen dem mosaikartigen Bewässerungsmuster wohl auszuschließen.

Hier nochmal unsere Tips bzw. unsere Bitten zur richtigen (störungsfreien!!) Weißstorchbeobachtung ==> INFO





Abschließend Bilder einer Exkursion des NABU Bellheim vom 24. April:

Bild oben: keine Wässerwiese ohne Be- und Entwässerungsgräben. Sie tragen erheblich zur ökologischen Vielfalt des Gebietes bei. Beispiel: alleine nur im Bereich der Bellheimer Sand- und Holzwiesen ist das aktive Grabensystem fast 8 Kilometer lang! Je nach Nutzungsintensität und Wasserführung sind naturnahe Gräben ein Lebensraum für viele seltene Arten. So wurde im Bereich der Queich-Wässerwiesen z.B. der stark gefährdete Schlammpeitzger nachgewiesen.



Bild oben: direkt neben dem Weg... ;-)


Bild oben: Bewässerungsgraben im Wald (Schließe defekt)


Bild oben: am Spiegelbach (Seitenarm der Queich)

Vertriebenes Weibchen nach verlorenem Kampf: wie ging's mit ihr weiter?

Rückblick Kameranest B1
17. Februar 2007:
das bekannte Weibchen FRS 2823 kehrt am 17. Februar aus dem Winterquartier zurück und zieht ins alte Nest auf dem Dach der Storchenscheune. Hier brütet sie schon seit 7 Jahren.

25. Februar:
FRS 2823 verläßt ohne erkennbare Ursache Nest und Partner und zieht zu einem anderen Storch in die Hochstadter Wiesen (ca. 5 km Luftlinie).


Klickbild oben: das "verlassene" Männchen bleibt nicht lange alleine: ein neues, ELSA-beringtes Weibchen zieht ins Nest auf der Storchenscheune ein.


10. März:
FRS 2823 kehrt wieder zurück ins alte Nest: in einer nächtlichen Attacke wird die neue Störchin vertrieben. Damit also wieder das alte Paar zusammen, FRS 2823 war ca. zwei Wochen beim anderen Storchenmännchen. Der "Lebensabschnittsgefährte" aus den Hochstadter Wiesen hat übrigens seitdem keine Partnerin mehr gefunden und bleibt 2007 eventuell alleine. Eine echte Storchen-Soap-Opera...


So, und was wurde aus der vertriebenen Störchin? Wir konnten ihr Schicksal gut verfolgen, da sie einen ELSA-Ring trägt. Sie ist in's 7 Kilometer entfernte Knittelsheim umgezogen und brütet dort. Hier ein Bild vom neuen Zuhause:


Klickbild

Montag, 23. April 2007

Frühjahrsbewässerung an der Queich (Teil 1)

Mehrere Storchennester haben bereits Nachwuchs, was bisher um diese Zeit eher die Ausnahme war. Die Elterntiere profitieren von der seit 20. April einsetzenden Bewässerung (im Bild die Offenbacher Niederwiesen gestern nachmittag), die jede Menge Babynahrung (Regenwürmer und Insektenlarven) freisetzt und den Jungen einen guten Start ins Leben ermöglicht. In den folgenden Wochen, bis etwa Mitte Mai, werden sukzessive weitere Flächen im Queichtal bewässert.
Gestern waren 17 Störche hier versammelt. Wenn man davon ausgeht, dass von den 12 derzeit im Queichtal brütenden Paaren jeweils ein Elternteil auf Nahrungssuche war, müssen mindestens 5 weitere Störche aus der weiteren Umgebung oder herumstreunende Nichtbrüter dabeigewesen sein.
Ob die vorgezogenen Bruttermine und die bereits sommerlichen Temperaturen sich positiv auf den Bruterfolg auswirken, hängt noch von weiteren Faktoren ab: Die Höhe der Vegetation (ca. 2 Wochen früher als sonst), mögliche Kälteeinbrüche, Zeitpunkt der Wiesenmahd, Entwicklung der Insekten usw. Die veränderten Klimabedingungen in diesem Jahr werden wohl auch das Jahr des Storches beeinflussen - positiv oder negativ.

Die folgenden Bilder wurden uns freundlicherweise von Herrn Volkmar Schmidt (Karlsruhe) zur Verfügung gestellt, sie entstanden auch gestern im Bereich der Offenbacher Niederwiesen:


Klickbilder

Neu: "Termine" als Link

Der neue Link ist im Nest-Telegramm in der Rubrik "Wichtige Links" auf der rechten Seite zu finden: Termine

Wir werden hin und wieder (also nicht häufig... ;-) Infos zu regionalen Veranstaltungen rund ums Thema plazieren.

11.5.2007: In Ottersheim werden die neuen bzw. restaurierten Stauwehre an der Queich durch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Conrad eingeweiht =>mehr Infos

Sonntag, 22. April 2007

Video: zwei Küken am 21.4.2007

Vielen Dank an YouTube-Userin "Nina1749": sie hat den mxpeg-Clip in ein YouTube-fähiges Format umgewandelt.

Hier der Link zum Video, wer genau aufpasst, der kann auch mal die Küken "quäken" hören...: http://www.youtube.com/watch?v=srsgU0GWe2Y